Schleusenwanderweg in Arzviller

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Ich war wieder chaotisch wandern, dieses Mal im Departement Moselle auf dem Rundwanderweg „Circuit des eclusiers Saint Louis“. Der Weg hatte viel zu bieten – Industriekultur für Technik-Nerds und Natur mit viel Ausblick.

In den Sommerferien war ich wieder in den Vogesen, genau genommen, in den nördlichen Vogesen im Departement Moselle. Hier gibt es einiges zu sehen und vor allem zu erwandern, ohne großen touristischen Andrang.

Ich erwähnte im Beitrag über den Drei-Burgen-Weg ja schonmal, dass die Wanderwege in den Vogesen supergut gepflegt und ausgewiesen sind. Das war auch beim Schleusnertal-Rundwanderweg in Saint Louis/Arzviller der Fall.

Bei diesem Rundweg hat sich jemand besonders viel Mühe gegeben, das Tal mit seiner Industriekultur zu zeigen: Im alten Schleusnertal wurde Holz auf Treidelpfaden über 17 Schleusen transportiert. Bis der moderne Rhein-Marne-Kanal eröffnete und schließlich das Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller errichtet wurde. Dieses Schiffshebewerk war zu seiner Zeit ultramodern, die Technik sogar experimentell. Weiter unten findest du einen Exkurs zu meiner Besichtigung der Plan Incliné.

Industrieromantik und ein bisschen Abenteuer

Die Runde war um die 12 Kilometer lang, hier und da haben wir den Weg etwas abgekürzt, an einer Stelle, war die Beschilderung nicht so eindeutig, da hat die Online-Karte des Club Vogiens sehr geholfen. Wie immer in den Vogesen, gab es Stellen mit ordentlich Steigung, diese Anstrengung wurde immer mit sehr schönen Blickachsen und gut platzierten Aussichtsbänken belohnt.

Die in der Wegbeschreibung vorgeschlagenen vier Stunden solltest du dir auf jeden Fall Zeit nehmen, wir sind nachmittags losgegangen und es dämmerte schon etwas, als wir unsere Runde beendet hatten.

Wir sind die Strecke mitten in der Hitzewelle Ende Juli gewandert. Es war heiß, ich trug Shorts mit hochgezogenen Sportsocken, Kappe, 50er Lichtschutzfaktor und ordentlich Anti-Brumm.

Hier siehst du mich in der Abendsonne kurz vor Ende der Wanderung.

Startpunkt der Runde ist der Parkplatz vor der Christallerie Lehrer, der gleichzeitig auch der Parkplatz für die Besichtigung des Schiffshebewerks und auch einer Sommerrodelbahn ist – ein touristischer Hotspot könnte man meinen, jedoch waren wir lange Zeit ganz alleine auf der Wanderstrecke.

Erster Halt: Kelchfelsen

Es ging erstmal ein Stück stramm bergauf. In den Vogesen gibt es viele interessante Felsformationen und Grotten zu besichtigen. Der erste Halt war bei dieser Tour der Rocher du Calice von Saint Louis. Neben dem Calice ist außerdem eine kleine Grotte mit einer schön schattigen Bank.

Doch keine Zeit für eine Pause – das Tagesziel war ja, das alte Tal der Schleusner anzusehen. Bei der Bootstour am Schiffshebewerk, die wir 2021 gemacht hatten, war ich enttäuscht, dass wir nur den „neuen“ Kanal entlang gefahren sind und nicht die (vermeintlich romantischere) Tour auf dem alten Schleusnerweg gebucht hatten. Wäre ja viel lustiger, die 17 alten Schleusen zu sehen, oder nicht?

Umso mehr war ich bei der Wanderung daran interessiert, wenigstens zu Fuß entlang des Flusses [sic] zu laufen. Ganz entspannt die malerische Landschaft genießen. Naja, dazu später mehr. Zunächst galt es, steil den Berg wieder hinab zu steigen um zum neuen Kanal zu gelangen. Der Abstieg ist anstrengend, aber die Wege sind sehr gepflegt und der Wald schön schattig. Dann kam die erste Überraschung der Wanderung:

Die Beschilderung des Wegs zeigt eindeutig, dass wir und durch eine sehr schmale, komplett dunkle Beton-Nische durch müssen. Wir haben mit dem Handy geleuchtet, weil man nicht die Hand vor Augen sehen konnte. Alleine hätte ich die Wanderung direkt abgebrochen – viel zu düster!

Am „neuen“ Kanal entlang durch die Hitze

Doch auf der Anderen Seite wartete tatsächlich der Rhein-Marne-Kanal auf uns – bisschen versteckt unter eine dicken schicht Entengrütze. Auf dem Bild siehst du eins der Boote, mit denen man die Schiefe Eben befahren kann. Der Kanal wurde (wer die Gegend kennt, wundert sich jetzt nicht) ursprünglich im 17. Jahrhundert von Vauban vorgeschlagen. Die eigentliche Planung und der Ausbau kamen dann zwischen 1827 und 1853. Das Schiffshebewerk gab es damals noch nicht, stattdessen wurden alle Schiffe durch viele kleine Schleusen geleitet.

Der Rundweg läuft erstmal ein gutes Stück am Kanal entlang und ist flach, asphaltiert und ohne Schatten. wir beobachten Libellen auf dem Wasser und schauen uns den ebenmäßig behauenen Felsen auf der gegenüberliegenden Seite an. Kein Mensch weit und breit.

Ein kurzes Stück werden wir entlang einer Art Industriestraße geführt, neben uns Bahngleise, nicht gerade attraktiv. Wann kommen wir denn endlich zum alten Schleusnertal?

Kurz darauf werden wir wieder in einen Tunnel geleitet. Wie es aussieht, können wir unter dem Schiffshebewerk durchlaufen. Der Tunnel ist so lang, dass diesmal an Beleuchtung gedacht wurde, aber wo wir da genau rauskommen?

Keine Ahnung!

In der Beschreibung klingt dieser Teil der Wanderung sicher etwas abschreckend und ich gebe zu, ich war währenddessen nicht gerade überzeugt, dass das eine gelungene Streckenführung ist.

Rückblickend finde ich allerdings, dass hier sehr schön das Thema Industriekultur aufgegriffen wurde und ich kann mir vorstellen, dass Liebhaber des Schiffshebewerks und alle, die sich für den Bau des Kanals interessieren, hieran Spaß haben werden. Auch ich find’s cool, zu sagen, dass ich mir das aus nächster Nähe angeschaut habe. Ein kleines Abenteuer eben.

Endlich am Schleusnertal

Wieder auf der anderen Seite des Tunnels war alles grün und überwuchert – richtiges Dschungel-Feeling – gerade auch bei diesen Temperaturen. Wir überqueren eine provisorische Brücke, steigen nochmal einen kleinen Hang hoch und sind endlich da, wo ich hinwollte: Auf dem ehemaligen Treidelpfad entlang der Zorn.

Früher wurden hier die mit Holz beladenen Schiffe Flussaufwärts gezogen (von Menschen, Pferden, später auch mit Traktoren) und dabei durch 17 Schleusen geleitet. jede Schleuse mit einem eigenen Schleusnerhaus (jedes Schleuschen hat sein Häuschen, yay).

Dieser Weg ist inzwischen eine Fahrrad-freundliche Freizeitroute und auch zum Spazieren super angenehm. Hier war auch etwas mehr Leben, als auf dem Rest des Wanderwegs: Viele Radler mit E-Bikes und Zeltausrüstung, einige andere spazierende Paare.

Doch eine Sache fehlte völlig: Wasser nämlich. Kein Wunder, dass es mit der romantischen Bootstour nie geklappt hat – die gab es allein in meiner Fantasie.

Innovative Pause

Okay, ein bisschen Wasser kam dann noch, nämlich ungefähr auf der Mitte des Schleusnertals. Dort liegt ein Weiher, das Schleusnerhäuschen daneben ist eine Gîte, also eine Ferienwohnung. Traumhaft, oder?

Hier haben wir eine kleine Pause eingelegt und die öffentliche, wasserfreie Toilette benutzt. Eine gute Erfahrung, es gibt eine genaue Anleitung, aber ist ganz einfach: Wenn man fertig ist, streut man einfach Sägemehl und benutzt möglichst nicht so viel Klopapier.

Danach haben wir einen kurzen Blick in das Modell-Gewächshaus gegenüber der Herberge geworfen. Dort wird ein ganz ausgeklügeltes und gesund aussehendes Zusammenspiel aus Pflanzen und Fischbecken in der Praxis präsentiert.

Bewässerung, Fischzucht und wahrscheinlich auch Dünger im Kreislauf. Kurz alles bestaunt und eine Eidechse beobachtet, die es sich auch im Gewächshaus gemütlich gemacht hatte.

Dann ging es weiter entlang des Schleusenwegs, ein Schleusenhaus nach dem anderen und parallel dazu verläuft die Eisenbahnstrecke. Das macht die Tour auch interessant für Trainspotter. So, Zeit für den Exkurs.

Kleiner Waldabstecher

Bei Schleuse Nummer acht werden Ziegen gehalten, die über ein steil gestelltes Brett sogar in das frühere Flußbett herunterklettern können. Hinter dem Schleusenhaus erkennt man sehr gut die Felswand und den typischen Vogesen-Mischwald. Der Weg führt uns wieder ein Stück rauf auf den Fels zu einer kleinen Aussichtsbank.

Aber Moment, Schleuse Nummer acht? Es waren doch eigentlich 17 angekündigt? Dann geht es wohl wieder runter vom Fels, oder wie?

Weiter entlang des Schleusenwegs – quasi als Schiff

Der nächste Teil des Wegs brachte wieder etwas Abwechslung. Na klar, es ging weiter mit den Schleusenhäusern. Für die Bahn-Freunde kam bald das nächste Highlight: die alte Eisenbahnbrücke, über die früher auch die Dampfloks gefahren sind. Dann änderte sich der Weg noch einmal.

Wir wurden sanft umgeleitet und liefen dann ein gutes Stück über eine Plattform in der Mitte des ehemaligen Flusses. So konnte ich die Streche nochmal anders, nämlich aus Schiffsperspektive erleben und sogar durch eine der alten Schleusen fahren wandern. Hatte ich also annähernd doch noch meine Romantikstrecke.

An dieser Stelle habe ich eine Lücke bei den Fotos, wir mussten nämlich ein kurzes Stück als Fußgänger über eine Autobrücke laufen, es war nix los, aber ich bin in solchen Situationen lieber ganz auf die Strecke konzentriert – es waren vielleicht 10 unangenehme Gehminuten entlang der Leitplanke. Navigiert hatten wir das mit der Wanderkarte, denn genau da war die Beschilderung nicht eindeutig.

Der Weg stimmte aber ungefähr, wir überquerten den „neuen“ Kanal nochmals und wurden in den Wald, der dem Schiffshebewerk gegenüber liegt, geführt. Wieder mal ein ordentlicher Anstieg. Aber auf weichem Waldboden.

Blickachsen auf die schiefe Ebene

Die letzte Etappe des Rundwanderwegs verlief ungefähr auf der Höhe des Schiffshebewerks und natürlich bekamen wir einen wunderbaren Blick auf dieses Industriedenkmal geboten. Ein paar Schritte zuvor konnte man auch den Eisenbahntunnel sehen, der das Schiffshebewerk letztendlich überflüssig machte.

Wir waren zu diesem Zeitpunkt schon über drei Stunden unterwegs und langsam etwas müde. Wenigstens nicht zu müde für diesen Blick. Das Bild soll diesen Bericht abschließen.

Für K. und mich ging es noch eine gute halbe Stunde weiter durch den Wald und zurück zum Parkplatz, nochmals mit einer kurzen Landstraßenüberquerung.

Der Rundwanderweg hat richtig viel Spaß gemacht: Immer wieder Abwechslung zwischen Industriekultur und Natur, es wurde nie langweilig! Was ich nächstes Mal anders machen würde? Ich würde mehr Wasser mitnehmen und vielleicht statt nur Nüsse auch noch ein paar Sandwiches, denn auf dem Weg gab es keine Möglichkeit zur Einkehr und als wir am Ausgangspunkt ankamen, war auch schon die Christallerie und deren Kantine geschlossen.

Aber was haben wir uns über die kühl gelagerten Getränke im Auto gefreut!


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