Während der Nippon Connection schöpfe ich aus dem Vollen: Mich auf dem Festivalgelände treiben lassen? Ja! Konzerte und Vorträge besuchen, bei denen ich nicht weiß, was mich erwartet? Na klaro! Zwei bis dreimal am Tag ins Kino gehen? Auf jeden Fall!
Ich habe es wieder getan: Drei Kinofilme an einem Tag. Ganz normal für mich, denn in der Woche von Fronleichnam ist in Frankfurt die Nippon Connection, das weltweit größte Festival für japanischen Film direkt vor meiner Haustür.
Ich hab zwar nur am Donnerstag frei, aber ich habe die ganze Woche wichtige Termine: Sobald das Programm online steht, buche ich mir meine Filme. Der Rest (Arbeit, Haushalt, Familie, Freunde, Blognacht) passiert nebenbei und drumherum oder muss ausnahmsweise ohne mich auskommen.
Würde ich sonst mehrmals am gleichen Tag eine Kinokarte kaufen? Definitiv nicht! Gehe ich sonst jeden Tag der Woche aus? Oft ohne Begleitung? Auf gar keinen Fall!
Während der Nippon Connection läuft mein Leben anders.
Einmal im Jahr.



Neue Welten: Man gönnt sich ja sonst nix.
Egal ob Regen oder Sommerhitze, ich verbringe in der Fronleichnamswoche meine Zeit in irgendwelchen kleinen Theatern und klapprigen Kinosälen. Dort tauche ich ein in neue Welten: Eine Wäscherei in den 70ern. Eine gemalte Gefängniszelle. Ein Märchen über das Meer. In eine Klangwelt. Ein Kabuki-Epos. Ein Spaßbad, das schließen muss. Ein heruntergekommenes Gewächshaus. Eine Taxifahrt. Und dann ist das Festival schon wieder vorbei.
Es ist natürlich viel zu viel. Nicht jeder Film ist volkommen gelungen. Manches ist längst vergessen. Ja, es gibt Flops. Doch dann gibt es immer wieder Meisterstücke. Feuerwerk. Magie.
Einmal im Jahr lasse ich diese Reizüberflutung zu.
Hin und wieder erinnere ich mich, wenn ich eine*n Schaupieler*in schonmal auf der Leinwand gesehen habe. Auch kleine Szenen tauchen vor meinem inneren Auge auf und es dauert einen Moment, bis ich sie einem Film auf der Nippon Connection zuordnen kann.
Ich gönne mir auch, dass die Filme einzigartig sind, weil sie vielleicht nur während dieser Woche verfügbar sind. Kein Streamingdienst hat sie im Sortiment und auch im Programmkino werden sie nicht gezeigt.
Wenn ich jemanden finde, mit dem ich die Erinnerung an so einen Film teilen kann, ist das wie ein heiliger Pakt. Gibt es niemanden, der den Film kennt, bleibt er mein geheimer Schatz.
Ich habe die Blognacht am 5. Juni 2026 verpasst – denn Nippon Connection ist nur einmal im Jahr. Der Impuls „Man gönnt sich ja sonst nix“ passt da mal wieder perfekt!

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