In der Woche der Nippon Connection habe ich viel Zeit in schrabbeligen Kinos verbracht. Die Spielstätten des Festivals verteilen sich über die ganze Innenstadt und es sind einige alte Schätzchen dabei.
Jedes Jahr versuche ich, zu erklären, was das Nippon Connection Filmfestival so besonders für mich macht. Ein Aspekt sind sicherlich die verschiedenen Spielstätten, an denen die Filme gezeigt werden und das Rahmenprogramm stattfindet.
Über die beiden größten Festivalorte, den Mousonturm und die Naxoshalle hatte ich schonmal geschrieben. Diesmal soll es um die anderen Eventlocations gehen.
Wenn ich mich dann so umsehe, denke ich oft, dass ich viel zu selten ausgehe und viel zu wenig über diese Orte weiß. Ich habe etwas nachgelesen und nachgedacht über das Mal seh’n Kino, das Eldorado, das Cinéma und das Frankfurter Internationale Theater.


In Neu-Isenburg, wo ich aufgewachsen bin, hat das Kino Mitte der neunziger Jahre geschlossen. Brandschutzauflagen nicht erfüllt. Ich habe Arielle (also die erste Disney Verfilmung von 1989) dort gesehen, aber dann war plötzlich Schluss. Wenn ich als Teenager ins Kino wollte, fuhr ich mit der Straßenbahn nach Frankfurt in die E-Kinos, vielleicht ins Turmkino oder nach Dreieich (Rex und Victoria). Wenn jemand ein Auto hatte, gab es noch die Option ins Autokino Gravenbruch zu fahren oder nach Offenbach oder ins Hessencenter. Echte, alte Kinos sind für mich deshalb etwas kostbares.
Mal Seh’n im Nordend
Das Mal Seh’n Kino war für mich als Teenager gar nicht präsent. Als reines Programmkino, zwar für das Nordend zentral gelegen, aber nicht gerade für die Anreise aus der Vorstadt.
Das Gebäude ist alt und etwas verwinkelt. Das Café Filmriß mäandert um die Bar herum, die wiederum unter der Treppe zum Vorführraum und den Toiletten untergebracht sind. Die Atmospäre ist gemütlich und hell – besonders im Wintergarten.
Das Mal seh’n Kino gibt es seit 1984. Mich intereressiert, ob die Initiative für dieses Kino so ähnlich gestartet ist, wie die Buchhandlung „Land in Sicht“, der Pflasterstrand oder das Strandcafé. Ist das auch ein Überbleibsel der Studentenbewegung in Frankfurt? Wer da einen Hinweis hat, darf gerne kommentieren.
Der Kinosaal ist mit 80 Plätzen klein, die Leinwand auch. Nach der Vorführung verlässt man den Saal durch einen Notausgang. Das haben Kinos ja gerne mal, dass der Innenraum bis hin zum Kinosaal schick gemacht wird. Wände mit Samt bespannt, Kronleuchter, dicker Teppich und so. Beim Rausgehen landet man in einem kalt gefliesten Flur, der in den Hinterhof führt und von dort aus bahne ich mir den Weg zurück in die echte Welt. Wie ernüchternd.

Dieses Jahr habe ich hier Numakage Public Pool gesehen.
Das richtig alte Eldorado
Im Vergleich zum Mal seh’n Kino ist das Eldorado richtig, richtig alt. Dieses Kino (damals hieß es Scala) ist 1912 eröffnet worden als eines der ersten Kinos Frankfurts. Auf der Webseite der Arthouse-Kinos, zu denen es heute gehört, findest du wunderschöne alte Aufnahmen.
Es gehörte auch lange zu den von mir oben erwähnten E-Kinos und wurde deswegen auch umbenannt in „Eldorado“. Die E-Kinos sitzen an der Hauptwache. Ein großer (inzwischen alter) Komplex, bei dem jeder Kinosaal mit E beginnt: Esplanade, Elysee, Europa, Eden, Esprit, Elite … auf dieser Webseite wurde das schonmal gesammelt.
Das Eldorado ist für mich vor allem etwas Besonderes, weil es einen Balkon hat. Oben ist es natürlich ganz besonders schön, wenige Sitzreihen und dennoch schön weit weg von der Leinwand. Daher ist es auch mein Lieblingskino in Frankfurt.
2026 habe ich hier (vom Balkon aus) Kokuho gesehen und (im großen unteren Saal) den Abschlussfilm Tokyo Taxi.

Das Cinéma-Revamp
Auch das Cinéma am Roßmarkt ist eine Spielstätte der Nippon Connection. Wie das Eldorado gehört es zu den Arthouse Kinos in Frankfurt. Es wurde 1965 eröffnet, hat drei Säle (das hätte ich nicht gedacht) und seit der Renovierung vor einigen Jahren eine sehr schöne kleine Bar im Foyer.
Die Tücke beim Cinéma ist allerdings, dass der Eingangsbereich sehr beengt ist. Bei den Vorführungen der Nippon Connection wird jedes Mal extra angesagt, dass man den Saal durch den Seiteneingang verlassen soll. Sonst kommt es zu Verzögerungen im Ablauf. Ich kann mich noch sehr gut an so ein gleichzeitiges Rein- und Rausströmen erinnern. Nicht bei der Nippon Connection, sondern bei einer ganz normalen Vorführung – da ist der Stresslevel ganz schön hoch.

Im Cinéma habe ich dieses Jahr „ChaO“ gesehen und letztes Jahr „A few Moments of Cheers“
Kein Kino, aber Theater
Das Internationale Theater Frankfurt ist Teil der Nippon Connection, wenn es um Konzerte, Tanz und Performances geht.
Das Theater liegt etwas versteckt in der Zoopassage im Ostend (direkt an der Haltestelle Ostendstraße). Es macht einen modernen und offenen Eindruck. Online konnte ich aber nur wenige Informationen recherchieren: Gegründet wurde das Theater 1998 und es wird ehrenamtlich geleitet mit nur wenigen festen Mitarbeitenden.
Gut gefallen hat mir das Café Lunera, das angenehmte Teestuben-Vibes hat: Zusammengewürfeltes Mobiliar, ein Regal mit Second-Hand-Büchern und sehr lecker aussehendem Kuchen. der Theaterraum ist modern eingerichtet, gute Bühnentechnik und knallrote Polsterstühle.


Dieses Jahr habe ich die Performance von Midori Hirano im ITF gesehen und mir überlegt, öfter mal vorbeizukommen.
Die Stimmung der Nippon Connection
Ja, all diese Orte machen für mich auch die Stimmung der Nippon Connection aus. Sie passen gut zum Festival, denn bei allen hat es Initiative und Herzblut gebraucht, sie aufzubauen und zu erhalten.
Es sind Ideen, die zu Orten und Institutionen wachsen.

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