Im Oktober habe ich ein Styling-Experiment gemacht und meine Garderobe auf zwölf Kleidungsstücke und vier Paar Schuhe beschränkt. Hier die Ergebnisse und Learnings aus meinem Versuch.
In meinem ersten Artikel über Style-Sudoku habe ich schon viele Eindrücke und Momentaufnahmen während des Experiments festgehalten, aber ich habe zum Thema Styling noch mehr zu sagen.
Wenn du nicht weißt, von welchem Experiment ich spreche: Im Oktober habe ich alle meine Büro-Outfits nur mit 16 Teilen und unter Zuhilfenahme eines Sudoku-Rasters zusammengestellt. Ich hatte dabei vier Oberteile, vier Unterteile, vier Extras (wie Blazer, Schmuck, Schals) und vier Paar Schuhe zur Verfügung. Alle Teile hatte ich bereits im Schrank. Es gab keine Neukäufe und keine Ausnahmen.

Das Outfit-Sudoku hat mir in erster Linie dabei geholfen, mich auf die Sachen zu konzentrieren, die da sind. Eine Übung in Minimalismus. Aber nicht die Sorte von Minimalismus, bei der du alles aufgibst, das nicht perfekt ist. Sondern eine, die sich den vorhandenen Dingen mit viel Intention nähert.
Zum Experiment habe ich auch Feedback bekommen, ein paar Fragen möchte ich mit diesem Text beantworten.
Wieso trägst du deine Lieblingsteile so selten?
Ich habe in über zehn Jahren eine Büro-Garderobe aufgebaut und stetig erweitert. Doch getragen habe ich nur einen Bruchteil der Stücke, die sich angesammelt haben. Das lag wahrscheinlich an einer grundsätzlichen Überforderung: Welche der vier cremefarbenen, fließenden Blusen soll es heute sein? Natürlich die, die ganz vorn im Schrank hängt. Die besonderen Stücke kommen da leider zu kurz.
Die schwarze Tupfenbluse zum Beispiel, sie hing immer ganz hinten im Schrank. Ja, sie passt mir gut und sie steht mir auch. Aber zu einer dunkelblauen Hose passt sie wohl nicht zusammen? Oder was ist mit dem bunten Seidentuch? Das muss ja richtig mit dem Oberteil abgestimmt und hübsch gebunden werden. Aber morgens, nachdem ich mich durch den Schrank gewühlt habe, habe ich da keinen Nerv für. Lieber gehe ich auf Nummer sicher: Blaue Hose, weißes Top, Strickjacke und fertig.
Doch es ist nicht nur die morgendliche Unentschlossenheit, die mich immer zur Standardkombi greifen lässt. Ich habe auch nicht unbedingt ein Gespür dafür, wie sich ein stimmiges Outfit zusammensetzt. Wenn es nach mir ginge, wäre ich einfach nur angezogen. Ich habe noch lebhaft die Tipps einer klugen Kollegin in Erinnerung, die vor allem darauf achtete, die Art der Kleidungsstücke, die sie trug zu variieren: Röcke, Hosen und Kleider immer im Wechsel. Keine spontane Auswahl, sondern ein festes Raster für mehr Abwechslung.
Das Style-Sudoku bietet mir ebenfalls ein Raster für meine Outfits. Ich möchte endlich auch mal die Tupfenbluse tragen? Dann kommt sie in die Sudoku-Garderobe. Wird sie dann vielleicht auch mit einer dunkelblauen Hose kombiniert? Ja, das ist gar nicht schlimm, sondern gut genug. Und das Seidentuch? Entfaltet mit jedem Oberteil, ja sogar mit jedem Paar Schuhe, eine andere Wirkung. Die Sudoku-Sachen sind bereits im Schrank zusammengruppiert und ich lege mir meistens am Vorabend alles raus.
Outfits „ausrechnen“? Ist das nicht viel zu kompliziert?
Das Sudoku gibt mir einen vernünftigen Überblick über die Kombinationsmöglichkeiten, die ich mit einer begrenzten Auswahl an Kleidungsstücken habe. Das ist für mich nicht komplizert, sondern einfach übersichtlich. Vorher war ich nicht sicher, wie viele Teile ich eigentlich brauche. Mit dem Sudoku ist diese Frage direkt geklärt: 16 Teile.
Durch meine Frankreich-Verbindung habe ich auch mal gelernt, dass zu einem guten französischen Outfit immer Schmuck, eine Uhr oder ein Gürtel (beides nicht meins) und ein schickes Parfum gehören, sonst ist man nämlich nicht fertig gekleidet. Auch das setze ich regelnmäßig um … zumindest wenn es drauf ankommt.
Trotzdem fehlt meinen Styles manchmal das gewisse Etwas. Das Vierer-Sudoku deckt dieses Extra immer mit ab: Das Jäckchen, die Statement-Kette, den schicken Schal, den besonderen Schuh und die immer wieder anderen Kombinationen – ohne dass ich lange darüber nachgrübeln müsste. Ich mache ein Foto des Rasters und kann mich immer wieder daran orientieren.
Kann es sein, dass nicht alle deiner Oktober-Outfits mit dem Foto des Sudokus übereinstimmen?
Das ist so. Es liegt daran, dass ich das ursprüngliche Raster nicht abfotografiert hatte und dann rückwirkend einfach nochmal ein anderes ausgelegt habe. Am Ende des Tages ist es mir aber egal, ob die Outfits entlang des Rasters kombiniert wurden.
Allein die bewusste Entscheidung für diese kleine Auswahl hat geholfen, neue Kombinationen zu finden. Ich hatte im Oktober jeden Tag ein anderes Outfit an und – wie man auf dem Foto sieht – waren das noch längst nicht alle.
Warum behältst du Sachen, die dir nicht richtig gefallen?
Meine direkte Antwort ist: Weil ich erwachsen bin.
Im Oktober habe ich auch die Hose getragen, die mir im Moment am wenigsten gefällt. Das Material ist nicht perfekt, der Schnitt könnte besser sein. Aber sie gehört zu einem Hosenanzug, sie passt farblich auch zu einer anderen Jacke und sie passt mir. Also wird sie nicht ans Herz gedrückt und aussortiert, weil sie keinen „Joy sparkt“. Sie bleibt in der Garderobe und wenn sie schonmal da ist, ziehe ich sie auch an. Dank Sudoku bleibt sie in der Rotation und wird genutzt, das ist mir wichtiger, als lauter perfekte Hosen im Schrank.
Hast du auch alte Stücke in die Garderobe integriert?
Natürlich. Ich habe für die Oktober-Garderobe gar nichts Neues gekauft, es waren alles alte Stücke.
Statt neue Kleidung auszusuchen, habe ich mich auf kleine Details konzentrieren können: Den Seidenschal hübsch binden. Interessante Socken auswählen, Ärmel umschlagen, passenden Lippenstift auftragen. Ich habe smarte Unterwäsche besorgt, um alles etwas tragbarer zu machen.
Wird das nicht langweilig? Wo bleibt dein Spaß an Mode?
Früher habe ich versucht, Must-Have-Listen aus Modezeitschriften zu befolgen: Eine weiße Bluse, ein Blazer, ein Bleistiftrock, eine schwarze Stoffhose, einen Rollkragenpullover, ein Etuikleid, eine perfekt sitzende Jeans, ein Trenchcoat, ein kamelfarbener Wollmantel, braune Lederpumps, Creolen in Gold oder Silber und eine braune Ledertasche. Alles perfekt. Aber für eine abwechslungsreiche Garderobe haben diese Sachen nie gereicht.
Ich habe ewig nach der perfekten weißen Bluse gesucht – klar der Schnitt muss konservativ sein. Weiß steht mir auch gar nicht so gut. Weiße Bluse und schwarzes Unterteil? Dann sehe ich aus wie eine Servicekraft. Schwarzer Blazer und schwarze Hose? Auch nicht meins. Dabei sollen diese Teile besonders zeitlos sein. Ein gutes Investment. Doch für mich hat das immer Frust bedeutet.
Mit Style-Sudoku und den vielen Kombinationsmöglichkeiten beginnt für mich erst der Spaß mit Mode. Ich schaue mir nämlich meine Sachen endlich genauer an. Es sind alles Teile, die ich mir über einen längeren Zeitraum ausgesucht habe. Immer wieder stelle ich fest, dass sie sich gut ergänzen, ohne dass mir das ein Modemagazin vorgeschlagen hat.
Kaufst du jetzt anders ein?
Das Sudoku-Raster passt sehr gut zu meinem Alltag und zu meinen Bedürfnissen. Es ist durch die reduzierte Auswahl einfach genug, um mich nicht zu überfordern und durch die Kombinationsvielfalt abwechslungsreich genug, um mich nicht zu langweilen.
Ich verzettele mich nicht mehr in Styling-Fragen, die gar keine Rolle für mich spielen. Eine andere kluge Kollegin hat zum Beispiel mal beobachtet, dass bei uns im Büro die Handtasche egal ist: Morgens wird sie in den Spind gestellt und abends wieder mit nachhause genommen. Die Tasche ist höchstens auf dem Weg zur S-Bahn sichtbar und seit wir oft zwischen Büro und Heimarbeit wechseln, trage ich nur noch meinen einfachen Laptop-Rucksack. Für die Büro-Garderobe kaufe ich also keine Handtasche mehr.
Mit Blick auf den November brauche ich nichts Neues zu kaufen. Ich tausche einige Teile aus, einfach nur für Abwechslung und gebe anderen Teilen eine Pause. Auch wenn einige Sachen in meinem Schrank nicht mehr passen, ist kein Bedarf da, sie direkt auszutauschen. Das neue Sudoku ist fertig und etwas anderes ziehe ich diesen Monat im Büro sowieso nicht an.

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