“First Kiss“ ist eine RomCom mit Zeitreise-Elementen. Der Film war einer von dreien, die ich am Festival-Donnerstag auf der Nippon Connection 2026 gesehen habe. Erwartet hatte ich eine romantische Komödie, aber doch nicht sooo … oder vielleicht doch?
Die Protagonistin Kanna steckt in einer Depression. Als Bühnenbildkünstlerin legt sie ihre gesamte Energie in die Arbeit. Doch sobald sie in ihre Wohnung zurückkehrt, erinnert sie alles an die achtlose Ehe mit Kakeru, der bei einem Zugunglück als Held gestorben ist, noch bevor er die Scheidungspapiere unterzeichnen konnte.
Als Kanna bei einem rasanten Autounfall in einem Gewitter nicht stirbt, sondern feststellt, dass sie in der Zeit zurückreisen kann, versucht sie alles, um Kakeru zu retten. Wie bei „und täglich grüßt das Murmeltier“ kehrt Kanna immer wieder an die wichtigen Momente des gemeinsamen Lebens zurück: Vom Tag seines Todes bis zurück zu ihrem ersten Kennenlernen. Dabei geht sie vollkommen logisch alle möglichen Varianten, wie Kakerus Leben anders hätte verlaufen können, durch.
Kanna bleibt hartnäckig, auch wenn ihr einige Missgeschicke unterlaufen, zum Beispiel, dass sie versehentlich eine wissenschaftliche Arbeit in Umlauf bringt, die erst Jahre später veröffentlicht werden wird. Soweit so witzig. Der Zeitreise-Plot ist wunderbar ausgearbeitet und die gesamte Story ist stimmig und leicht.
Rette deine Ehe um jeden Preis
Dennoch hat der Film mich nicht so gut unterhalten, wie andere Spielfilme, die ich bei der Auswahl im Kopf hatte wie „A Samurai in Time“ oder „Let‘s Go Karaoke“. Woran lag das?
Zum einen hat mir nicht gut gefallen, dass die erfolgreiche und schlaue Kanna, die während des gesamten Films 45 Jahre alt bleibt, vor allem als alt präsentiert wird. Der Blick auf sie zeigt vor allem eine Frau, die ihre Chancen auf die Liebe nun verpasst hat. Deswegen setzt sie alles dafür in Bewegung, die Vergangenheit zu ändern.
Zum anderen lebt die Story unterschwellig von der Prämisse, dass diese Ehe hätte gerettet werden müssen. Wohlgemerkt, durch mehr Disziplin, nicht durch mehr Liebe und Verständnis, was man ja auch hätte versuchen können. Das Gedankenexperiment, dass du dich jetzt für deine:n Partner:in in 25 Jahren entscheidest, steht hier im Mittelpunkt.
Oder bleibe doch du selbst?
Würde ich mit dem vorherigen Absatz schließen, täte ich dem Film allerdings auch unrecht. Denn was der Film als Lehre vermittelt, entspricht nicht unbedingt dem, was er zeigt.
Ja, Kanna wird als Frau gezeigt, die zu alt ist, für die Liebe. Doch sie bleibt ganz eindeutig der Mittelpunkt der Geschichte mit all ihrem Chaos, ihrem Durchhaltevermögen und ihrer Eigenwilligkeit. Sie bleibt auch dann 45, wenn sie in die Vergangenheit reist. Dennoch bleibt sie die weibliche romantische Bezugsperson. Der dabei deutlich jüngeren Kakeru interessiert sich wieder und wieder nur für sie.
Also, auch wenn mich die Moral des Films mich nicht überzeugt, ist der Film von Regisseurin Ayoko TSUKAHARA gut gemacht. Insbesondere, der Zeitreise-Teil hat viel Charme und die Protagonistin hat ordentlich Power.
Film: First Kiss von Ayoko TSUKAHARA, 124 Minuten

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