Christina vom Blog „Dein Körper – Dein Weg“ stellt mit ihrer Blogparade die Frage „Wann ist Pause für dich erlaubt?“. Wir sind uns in der letzten Blognacht begegnet und kurz darauf hatte ich eine Nachricht von ihr in meinem Postfach, ob ich Lust hätte, etwas über Pausen und Arbeitskultur beizutragen.
Tatsächlich hatte ich Christinas Blogparade schon im Bloghexen-Forum gesichtet und mir überlegt, mitzumachen. Der Titel der Blogparade hat mich nämlich direkt an eine alte Geschichte denken lassen, die ich schonmal für die Blognacht erzählt habe.
Stressfaktor Pause
Damals schrieb ich darüber, wie es war, als es in der Abteilung für Assistenzen (selbstverständlich nur für die Assistenzen) irgendwie nicht okay war, einfach Mittagspause zu machen. Jedenfalls nicht ohne vorher brav um Erlaubnis zu fragen. Außerdem musste (für den Anspruch auf Pause?) Telefondienst geleistet werden, während alle anderen gemeinsam in der Kantine essen gehen konnten. Es gab nie Anrufe.
Heute ist das im Team alles kein Thema mehr: Homeoffice und Vertrauensarbeitszeit werden ganz anders gelebt, als damals. Aber immer, wenn ich daran zurück denke, fühle ich mich wieder mies. Denn das Ganze war eine Methode, um Assistenzen klein zu halten. Das hat für viele Mikro-Konflikte untereinander gesorgt.
Das wurde damals weggeschoben oder billigend in Kauf genommen. Ich nehme es den beteiligten Personen bis heute übel. Eine kleine Verletzung, die eine Narbe hinterlassen hat.
Wer erlaubt mir eine Pause?
Heute bin ich diejenige, die mir eine Pause erlaubt und ich bin geduldig und großzügig mit mir selbst. Ich übe das noch, aber ein paar Sachen habe ich dazu gelernt:
- Beim Joggen mache ich grundsätzlich langsam und zwischendrin Geh-Pausen. Das ist etwas Gutes, denn so wird das Training nicht zu anstrengend und ich bleibe motiviert. Wer regelmäßig schweratmig und mit lila angelaufenem Gesicht vom Joggen kommt, macht ja auch weniger Fortschritt.
- Ich mach mir meine Büro-Mittagspause etwas gesünder, indem ich nicht bis zum Schluss am Tisch sitzenbleibe, sondern kurz ankündige, dass ich noch eine Runde drehe – Begleitung erlaubt. Einfach 15 Minuten Gehen nach dem Essen. Das bringt mir etwas Ruhe und ein kleines Bisschen mehr Alltagsbewegung.
- Eine etwas andere Beobachtung hab ich beim Step Aerobic gemacht. Hier zwinge ich mich nicht mehr, die Choreographie immer in vollem Umfang mitzumachen. Es gibt den Moment, in dem es zu anstrengend ist, alles Kicks und Sprünge und Drehungen mitzunehmen – die Beine sind schwer und ich vergesse die Hälfte. Dann lache ich über mich, lass die Schlenker weg, bleibe im Grundschritt oder trinke Wasser. Gut genug.
- Die Homeoffice-Pausen dürfen auch mal anders aussehen: Siesta oder kleine Erledigungen in der Stadt. Weg vom Rechner. Sporttasche schonmal packen. Stretching.
Pause ist erlaubt – vor allem, wenn sie mich wieder produktiver macht oder der Optimierung dient. Sofort Fleißsternchen aufgeklebt!
Wann ist Pause nicht erlaubt?
Wie ist das aber, wenn ich eine Pause brauche, weil es mir einfach nicht gut geht? Ich war am Wochenende unterwegs zu einer Besorgung und hatte auf einmal Regelschmerzen. Nichts Wildes. Bei mir ist es meistens nur am ersten Tag fies, danach nicht mehr.
Da habe ich an die Blogparade gedacht und mich gefragt, ob Pause jetzt eigentlich erlaubt ist. Zurück nach Hause, ins Bett legen oder eine Schmerztablette nehmen? Die Erlaubnis habe ich sofort verweigert. Schmerz ignorieren (das bisschen), nach vorn schauen (ich will das doch erledigen) und mir nicht selber leid tun mit meinem Bauchweh. Ist ja sowieso gleich vorbei.
War es auch. Nur ist mir beim Nachdenken darüber aufgefallen, dass ich das bei meiner Migräne ähnlich mache. Ich bekomme eine Aura, nehme eine Pille (ich bin ehrlich froh, dass meine Migräne unkompliziert ist) und mach weiter, sobald ich wieder etwas sehen kann. Natürlich bin ich dann am Abend sehr müde und mit etwas Pech, meldet sie sich gleich am nächsten Tag wieder.
Also, wenn Pause bedeutet, sich mit Schmerz auseinander zu setzen, neige ich dazu, sie mir nicht zuzugestehen. Das wäre ja auch keine schöne, regenerative Pause, sondern eine Pause, in der es um Schmerz geht … um das Sich-Schlecht-Fühlen und darüber traurig zu sein.
Pause vom Perfektionismus
Erlaube ich mir also nur die Pausen, die mich irgendwie verbessern? Ignoriere ich die Pausen, die mein Körper direkt einfordert? Bin ich mal wieder zu streng mit mir?
In gewisser Weise bin ich hier wohl zu streng, denn jede Pause ist gut für mich. Die Pause, die etwas selbst-optimierend daher kommt ist nicht besser oder schlechter, als die Pause, die mein Körper manchmal einfordert. Im Butoh habe ich dazu etwas gelernt:
- Beim Butoh geht es um fließende Bewegungen, die der Körper im Idealfall ganz automatisch macht. Der Körper tanzt dich unwillkürlich. Es ist ein Reflex, so wie Atmen. Aber um an diesen Punkt zu kommen, muss ich manchmal an den Bewegungen basteln. Etwas so lange wiederholen, bis es passt. Manchmal hänge ich in einer Dauerschleife, die Bewegung ist zu gewollt und noch nicht rund. Das zu akzeptieren und die Gefühle anzunehmen, die dabei entstehen (ich bin dann oft frustriert, genervt oder albern) und diese sogar zu tanzen, löst die Schleife schneller wieder auf.
Pause machen, bedeutet ja auch, die Arbeit, den Schmerz, alles was anstrengend ist, loszulassen. Also übe ich weiter und sorge einfach so gut es geht für mich.
Dieser Text ist mein Beitrag zur Blogparade „Wann ist Pause für dich erlaubt?“. Alle Beiträge dazu findest du auf Christinas Blog „Dein Körper – Dein Weg“.
Ich freue mich wie immer sehr über Kommentare, aber bitte keine Migräne-Tipps, die werde ich nicht freigeben.

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