Smalltalk

Der Impuls der Blognacht lautet „Verplapperung“, aber ich kann mich nur an wenige Male erinnern, bei denen ich etwas ausgeplaudert habe, dass mein Gegenüber nicht erfahren durfte. Und diese wenigen Male bleiben geheim. In diesem Beitrag geht es daher um Smalltalk.

Ich unterhalte mich ziemlich gern, auch mal mit Kolleginnen und Kollegen, die ich nicht sehr gut kenne, auf dem Weg zum S-Bahnhof. Auch wenn ich mir mit dem Namen nicht zu 100 Prozent sicher bin oder nicht mehr weiß, ob wir uns eigentlich siezen oder duzen.

Meistens bin ich noch ganz gut in der Lage, ein nettes Gespräch nach der Arbeit zu führen. Mir ist schon klar, dass manche Leute nach dem Bürotag ihre Ruhe brauchen. Auf dem Weg aus dem Bürogebäude checke ich schnell ab, wie das bei meinem Gegenüber aussieht.

Ich sag dann sowas wie „Ich gehe auch zur Bahn, aber ich laufe eher langsam …“ damit Drinnies und Intros schnell sagen können, dass sie es leider heute eilig haben und ohne Gequatsche in den Feierabend gehen können. Selbst wenn wir uns später am Bahnsteig sehen sollten, mache ich keine Anstalten mehr, eine Unterhaltung anzufangen. Ich nicke kurz und ziehe mich zurück, um nicht zu stören.

Falls ich eine Begleitung habe, fällt mir so gut wie immer ein Thema ein: Ich erzähle etwas über mich, oder etwas, was an dem Tag passiert ist, oder ich stelle Fragen, die interessant, aber unverfänglich sind. Vielleicht über das letzte Mal, das wir uns begegnet sind, gemeinsame Meetings, Townhall, Jubiliarfeier. Vielleicht fällt mir noch ein Fakt über mein Gegenüber ein, über dass ich mehr erfahren möchte.

Ist mein Gegenüber etwas wortkarg, kein Problem, ich halte das Gespräch am Laufen. Es geht um die Kantine, Urlaube, Wohnen, Sport oder Kultur. Schwieriger ist es, herauszufinden, ob wir die gleichen Serien kennen oder uns gut gegenseitig Podcasts empfehlen können. Stille ist okay für mich.

Aber manchmal. Manchmal verlasse ich meinen Körper und ich sehe mir selbst dabei zu, wie ich viel, viel rede und ich lache einen Tick zu unnatürlich. Auch die Reaktion der Begleitung ist merkwürdig. Ich spüre das, aber gehe darüber hinweg. Mit mehr Geplapper.

Komme ich dann heim, hab ich das Gefühl, ich war irgendwie drüber, ich war zu viel. Hab mich festgequatscht und nicht gut zugehört. Ich war nicht im Moment, fahrig, oberflächlich. Das ist mir dann eine Weile unangenehm. Was hab ich blos alles erzählt? Wahrscheinlicher ist, dass mein Gegenüber selbst nicht richtig zugehört hat oder viel mehr über sich selbst nachdenkt, als über mich und mein Gelaber.

Überhaupt denke ich oft erst ein oder zwei Tage danach erst so richtig darüber nach, was mir jemand da erzählt hat, während ich auf Autopilot gequasselt habe. Welche Gesprächsfäden ich nicht aufgenommen habe.

Oder ich löse ein Problem, von dem mir die Person berichtet hat. Hin und wieder schreib ich dann eine Follow-Up Nachricht mit Geistesblitzen wie „Ich glaub, du brauchst eine Brille!“, wenn mir jemand an verschiedenen Stellen der Unterhaltung über Augenfältchen und Kopfschmerzen berichtet hat.

Aber genug geplaudert – wie geht es dir denn so?


In der Blognacht 68 lautet der Impuls „Verplappert“. Beim Bloggen habe ich übrigens nie dieses Gefühl, ich könnte „Oversharing“ betrieben haben. Wohl auch deshalb, weil ich ganz genau nachverfolgen kann, was ich hier geteilt habe. Im persönlichen Gespräch und wenn ich nicht so richtig aufgepasst habe, bleibt da hingegen diese Unsicherheit, was tatsächlich gesagt wurde.


Kommentare

Ein Kommentar zu „Smalltalk“

  1. Ha, ich bin auch ziemlich gut in Smalltalk. Aber schöner finde ich die Gespräche, die auch Tiefe erlauben, die, wo die Fallhöhe ein bisschen größer ist. Da ist dann auch oft mehr Erkenntnis und Inspiration drin, finde ich. Und cool ist es, wenn sich Plappern und Tiefe vermischen. Weil es sich sicher und gut anfühlt und einfach fließt. Solche Gespräche behalte ich sehr gern in Erinnerung 🙂

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