Die geschenkte Stunde

Das Leben ist ein Geschenk. Also ist jede Stunde eine geschenkte Stunde. Blognacht ausgedribbelt. Jedoch, wenn ich davon ausgehe, dass die geschenkte Stunde wie eine zusätzliche Stunde zu verstehen ist, wird’s irgendwie kompliziert.

Wie kann eine Stunde denn geschenkt sein? Ich habe nur einen ganz begrenzten Blick auf mein Stundenkontingent. Ein Tag hat 24 Stunden. Immer. Da kann ich mir keine Stunde 25 dazu holen. Abgeben ist auch nicht möglich. 24 mal 60 Minuten sind fix.

Klaro, im März kommt die Umstellung auf Sommerzeit, das ist ja mehr so rechte Tasche – linke Tasche. Kein echtes Geschenk. Wobei es eine ganz entzückende Pete und Pete-Folge über die Magie der Zeitumstellung gibt. Und dann ist da der Song von Tocotronic in meinem Kopf. Mein Gott, wie jung die damals waren und ich wohl auch.

Zurück zum Thema. Ich kann zwar versuchen, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, um so meine Stunde wenigstens gefühlt zu verdoppeln. Mehr aus der Zeit herauszuholen. Doch das ist immer unbefriedigend. Multitasking macht mich müde und dann brauche ich am Ende mehr Zeit zur Erholung, als dass ich sie für etwas anderes nutzen könnte.

Was noch? Zeit sparen. Als ob es Zinsen darauf gäbe. Gibt es nicht. Schnell zu sein, verlangt mir etwas ab: Timing braucht Fokus. Schnell sein gibt mir aber nie das Gefühl, dass ich damit Zeit gewinnen würde. Wenn ich renne, dann weniger um die Bahn zu kriegen, sondern eher, weil ich wissen will, wie gut ich rennen kann.

Stundengeschenke. Gibt es nicht, denke ich. Aber ich bin überzeugt, dass ich meine Zeit jemandem oder einer Sache widmen kann. Das kommt der Idee des Schenkens für mich am nächsten. Ich kann mir Zeit nehmen für meine Liebsten oder für den guten Zweck. Für volle Aufmerksamkeit und für Hingabe.


Der Impuls der Blognacht im März 2026 lautet „Glückwunsch! Du bekommst eine Stunde geschenkt“ also habe ich mir erstmal einen Quark mit Zucker und gefrorenen Himbeeren aus der Küche geholt – ich hab ja Zeit.


Kommentare

11 Kommentare zu „Die geschenkte Stunde“

  1. Liebe Astrid,
    ich stimme dir zu: Die geschenkte Stunde extra gibt es leider nicht, aber die Hingabe zu einer Sache, Beschäftigung oder Person wertet diese dafür verwendeten 60 Minuten auf – auch ein Geschenk, oder?
    Danke für deine geteilten Gedanken,
    mit KREativen Grüßen
    Gabi

    1. Astrid

      „Aufwerten“ ist ein sehr schöne Beschreibung für diesen Zustand. Vielen Dank, liebe Gabi!

  2. […] Einen sehr rationalen Umgang mit dem Impuls gibt es bei Astrid auf Kaffeekochen war gestern. Und doch, am Ende gibt es Hingabe und Himbeeren: Die geschenkte Stunde […]

  3. Hallo Astrid,
    das ist mal ein guter Beitrag! Durch diese objektive Betrachtung einer „geschenkten Stunde“ merke ich wiedermal, wie blauäugig ich an die Sache herangegangen bin. Ich hab dieses Stundengeschenk einfach eingesteckt, ohne viel nachzudenken.
    Wie immer. haha

    Liebe Grüße aus dem Mausloch
    https://mausloch.blogspot.com/2026/03/die-geschenkte-blognacht.html

    1. Astrid

      Liebe Sabine, wie lustig! Als ich deinen Text gelesen habe, dachte ich nämlich sowas wie „Ach, Sabine hat es genau richtig gemacht und ich hab den Impuls so merkwürdige zerdacht.“ Könnte wohl sein, dass wir beide richtig liegen 🙂

  4. „Blognacht ausgedribbelt“ 😂

    Ja, richtig. Du kannst sie nicht geschenkt bekommen, aber sie dir nehmen. Die Zeit. Die Stunde. Eigentlich die Aufmerksamkeit. Sie für dich selbst zu nehmen wäre dann Akt der Hingabe dir selbst gegenüber. Vielleicht können wir uns näher über die verschenkte Zeit – davon gibt es ja leider auch ne ganze Menge, wenn man auf den Alltag schaut, oder? Quark mit Himbeeren fällt aber sicher nicht in diese Kategorie 🙂

    1. Astrid

      Stimmt auch wieder. Wenn die Zeit insgesamt ein Geschenk ist, sollte ich (wir alle) sie so einsetzen, wie ich es mit anderen Geschenken mache – sie pfleglich behandeln, sie mit Freude für mich nutzen und sie mit anderen teilen.

  5. Mhm… der Quark klingt lecker! Und die Stunde hast du ja dann heute der Blognacht geschenkt, auch alles liebe Menschen, passt also. Ich freu mich immer, wenn du dabei bist.

    Und von anderen Zeit geschenkt zu bekommen, ist für mich eines der besten Geschenke überhaupt! 🙂

    1. Astrid Schewe

      Ich freue mich auch immer, dich zu sehen 🙂 Ja, die Blognacht ist definitiv geschenkte Schreib-Zeit für mich.

  6. Quark mit Himbeeren – ja, das ist gut genutzte Zeit!
    und alles andere ist reine Taschenrechnerei – da hast Du recht, Astrid.
    Manchmal stelle ich mir vor, wie das Leben war vor der Industrialisierung, bevor die Uhrzeit wichtig wurde. Aufstehen und Schlafen gehen nach dem Sonnenstand …
    Was war damals wohl eine geschenkte Stunde?

    1. Astrid

      Leben vor der Industrialisierung, gute Frage. Vielleicht Zeit für Feste, Rituale und Gemeinschaft? Das wäre dann nicht viel anders als heute.

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