Kindheitserinnerungen

Frau Kaltmamsell hat einige Fragen in die Welt geworfen, die nun als Blogstöckchen die Runde machen. Viele haben diese Fragen wunderbar konzise beantwortet, doch in meinem Kopf entstehen sehr lange Verkettungen von Erinnerungen und Ideen und anderen Fragen.

Welches war dein erstes Stofftier und was verbindest du damit?

Die ersten Stofftiere, an die ich mich erinnere und die mich immer begleitet haben, hat mein Onkel aus England mitgebracht. Mein orangefarbener Bär (sic!) namens Poldi und ein Affe mit dickem Spitzbauch namens Bambi.

Die beiden waren wahrscheinlich schlechte Kopien von Garfield und Donkey Kong. Poldi hatte aber eher runde Ohren, keine Streifen auch die Körperform stimmt nicht – kein Katzenschwanz, keine Pfoten. Doch die großen runden Plastikaugen und die Farbe deuten schwer auf Garfield hin. Ich überlege, ihn mal der Bildersuche zu zeigen … oder lieber doch nicht?

Poldi war auch einmal mit mir im Krankenhaus, wo ein älteres Kind damit drohte, ihn mit Parfüm zu beträufeln, was für mich sehr großen Horror bedeutete. Ich schlug Alarm und betätigte die Schwesternklingel. Meine Omi, bei der ich im Urlaub war, hatte mich in die Diakonie gebracht, weil ich mich sehr heftig und immer wieder erbrach. Heute denke ich, dass es sich um meinen ersten Migräneanfall gehandelt haben wird.

Poldi wurde übrigens gerettet und wohnt heute in meinem Kleiderschrank.

Wie stelltest du dir als Kind dein Erwachsenenleben vor?

Ich würde in ein schönes weißes Haus in der Nachbarschaft ziehen und dort mit allen meinen Freundinnen zusammenwohnen. Berufswünsche waren unklar, in die Freunde-Bücher trug ich bei „was ich später werden will“ meistens das nächste Faschingskostüm ein, also Wahrsagerin, Hexe oder Vampir.

Warst du ein eher leises oder eher lautes Kind?

Eher ein ruhiges Kind. In der Grundschule wurden manchmal die wilden Schüler neben mich gesetzt, damit mein gutes Beispiel auf sie abfärben möge. Ich lispelte sehr und war in meiner Grundschulzeit deswegen bei einer Logopädin. Heute beherrsche ich alle S-und Zischlaute ganz hervorragend.

Welches Verhältnis hattest du als Kind zu Musik?

Im Kinderzimmer hatten wir einen knallgelben Schallplattenspieler. Darauf hörte ich Christiane und Frederik, wer die Alben „Der Fuchs“ und „Die Rübe kennt“, weiß, warum ich heute woke bin (konservativere Eltern kauften Rolf Zukowski). Ab und an liefen Hermans Hermits und the Kinks.

Außerdem war die Neue Deutsche Welle ziemlich prägend für meine Kindheit: Da gab es die LP der Kinderhitparade mit Frank Elstner von 1977, auf der Kinder NDW-Songs mit altersangemessenen Texten sangen („Kleine Taschenlampe brenn, denn wir wollen noch was lesen“). Eins der Kinder auf der Platte rollte das R ganz gewaltig und sang „Im Trrretbot in Seenot“, bis heute einer meiner Ohrwürmer oder besser Ohrrrrwürrrmerrr. Als Singels hatten wir die Originale von Geiersturzflug und Peter Schillings Major Tom. Die gefallen mir heute noch.

Die Grundschulmusiklehrerin ließ uns sehr viel singen: Fingerhut du Schöner, die Story vom kleinen Johnny und die alte Moorhexe. Ich beherrsche bis heute kein Instrument und kann Noten nur ganz begrenzt lesen, aber ich singe trotzdem sehr gern.


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