Am 5. wird ein Tagebucheintrag gebloggt. Der Hashtag #WMDEDGT steht für „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ und wird jeden Monat von Frau Brüllen gestellt, die Antworten werden bei ihr gesammelt. Am 5. September 2026 bin ich viel geradelt.
Der 5. September 2026 war ein Samstag. Ich bin für meine Verhältnisse spät (zwischen 7 und 8 Uhr) aufgestanden und habe den Vormittag vertrödelt. Kaffee und Brote mit Ziegen-Kräuterkäse im Bett, nebenher YouTube-Aufräumvideos auf dem großen Bildschirm. Clutterbug interviewt verschiedene Celebrity-Entrümpler, interessante Beobachtungen über Zeugs. Dann ins Bad und dann noch mehr Kaffee.
Ausflug zur Second Hand Boutique
Ich selbst habe in der letzten Woche meinen Kleiderschrank durchgeschaut und einige Sachen ausgemustert, die mir nicht mehr passen oder die ich nie trage. Ich packe alles in eine große Tasche, die ich mit dem Rad (Helm vergessen!) zum Samt & Sonders Second Hand Shop im Nordend transportiere. Der Laden gehört zur Diakonie und ist eine kleine Boutique: Passende Outfits, sortiert nach Farbfamilien, durchgehend hübsche Sachen und im Moment gibt es eine kleine Extra-Kleiderstange für Oktoberfest-Klamotten. Angeschlossen ist eine Schulungs-Werkstatt, daher bietet der Laden auch so Dinge wie Sitzkissen, Topfhandschuhe, Türstopper und allerhand praktische Täschchen aus eigener Fertigung an. Ich kaufe beinahe ganz viele Sachen und beschränke mich dann bei einem Türstopper in Dackelform.
Wieder zuhause angekommen erstmal Mittagsschläfchen. Danach Reste-Pasta mit einem Rest Pasta, einem Rest Fertigsoße, ein paar übrig gebliebenen Stangen Sellerie, Tomatenwürfeln, TK-Erbsen und einem Rest Reibekäse. Elterntelefonat. Dann Videotelefonat mit K.
Pizza im Garten
Langsame Vorbereitung auf den Abend. Der Plan ist, mit dem Rad zu Freunden in Offenbach zu fahren, Gartenpizza zu essen und dann gemeinsam an der Frankfurter Bike-Night teilzunehmen. Dafür muss ich mir aber erstmal die Strecke nach Offenbach anschauen, ich suche eine, die möglichst am Main entlang führt, aber die (seit zwei Jahren) neue Wohnung liegt eher so, dass ich den Main überqueren und dann Richtung Offenbach Zentrum fahren muss. Nur knapp 30 Minuten Fahrt.
Bevor es losgeht: Handy laden, Rad aufpumpen, Rucksack packen.
Ich kürze meine Strecke durch den Ostpark ab und fahre über die Kaiserleibrücke. Aber heute ist da eine Menge Fußgänger-Verkehr. Vor mir läuft zuerst ein Paar in roten Shirts mit der Aufschrift 125 Kreis Offenbach … nee, Kickers Offenbach … und es werden immer mehr. Die ganze Brücke voller Kickers-Fans. Ich fahre Schritttempo, klingele vorsichtig und komme im Schneckentempo auf der anderen Mainseite an. muss die Navigation neu sortieren und verfranse mich drei, vier Mal, bevor ich endlich in einer Gegend lande, die mir bekannt vorkommt. Alles in allem 50 Minuten gebraucht.
Gemütlicher Gartennachmittag, der Pizzateig wird mit geriebenem Knoblauch grundiert, das muss ich mir merken. Ich erfahre, dass inzwischen die ganze Freunde-Familie regelmäßig im Schwimmtraining ist.
Radfahrn auf der Autobahn
Langsam kühlt es draußen ab und wir machen uns zu viert auf den Weg in die Frankfurter Altstadt zur 16. Frankfurter Bike-Night. Eine Fahrrad-Demo mehreren tausend Teilnehmenden, kuriosen Rädern, viel cooler Beleuchtung und Musik. Bereits unsere Anfahrt zur Demo ist schön. Abendlicht, das auf dem Main gespiegelt wird, blaue Stunde mit Skylineblick, gutes Tempo, entspannte Atmosphäre.
Wir kommen rechtzeitig bei der Demo an, stehen allerdings ziemlich weit hinten. Ob wir wirklich zu viert zusammenbleiben können bei dieser Menschenmasse? Zunächst heißt es warten, warten, warten. Als wir losfahren, ist der Anfang der Demo bereits auf der anderen Mainseite Richtung Schwanheim unterwegs. Kurz nachdem wir endlich fahren, müssen wir wieder stoppen: Der gerade reparierte Reifen ist wieder platt, daher machen zwei von uns sich wieder auf den Heimweg. Freundin N. und ich werden weiterfahren, müssen aber erstmal aufholen, indem wir die Strecke etwas abkürzen.
Bei der Bike-Night kann ich meinen Weg zur Arbeit endlich stressfrei fahren: Nämlich breitschultirg auf der (gesperrten) Landstraße und nicht nebendrunter gequetscht auf dem geteilten Fahrrad- und Fußgängerweg beide Richtungen auf einem schmalen Weg.
Später läuft die Strecke auch über die Autobahn – ein sehr schönes Gefühl, so viel Platz zu haben. Das DJ-Pult-Rad und die Boxen-Räder fahren uns voraus. Allerdings gibt es auf der Strecke immer wieder Momente, in denen wir stehen bleiben müssen oder so langsam sind, dass Schieben weniger anstrengend ist, als fahren. Die Ordner haben einiges zu tun, es gibt auch einen Sani-Einsatz.
Der Zug ist lang und in der Innenstadt schaffen es die Fußgänger nicht immer, abzuwarten, bis alle durchgefahren sind. Es heißt also immer rücksichtsvoll fahren, gut zum Zug aufschließen, damit keine Lücken und Verzögerungen entstehen. Es fühlt sich gut an, so viel Raum mit den Rädern einnehmen zu dürfen.
Insgesamt hat die Strecke 20 Kilometer, wir sind gegen 23 Uhr wieder zurück und die Demo wird aufgelöst. Auf dem Weg heim heißt es also wieder auf dem schmalen Radweg entlang der Fahrbahn bleiben, an allen Ampeln stoppen und sich hintereinander einreihen. Nächstes Jahr will ich wieder mit dabei sein.
Kurze Abendroutine
Zuhause angekommen, melde ich mich noch bei K. und wir facetimen. N. ist auch gut zuhause gelandet. Schnelle Abendroutine und dann (obwohl ich das Gefühl hatte, noch sehr wach und aufgekratzt zu sein) sofort eingeschlafen. Gebloggt wird morgen.
Am fünften des Montags fragt Frau Brüllen „was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ und das Internet erstattet gern Bericht. Gesammelt findet man diese Tagebucheinträge hier.

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