In der Session beim #i2c26 stellte Prof. Dr. Philipp Diebold das „Genau meine Arbeitsweise“-Canvas und das dazugehörige Programm vor. Dazu gab es Tipps wie „Meetings sind manchmal die bessere Fokuszeit“.
Philipp präsentiere in der Session verschiedene (anonymisierte) Vorlagen des GenauMeineArbeitsweise-Canvas sowie die „GMA-App“, die anhand von Ziel-Stichworten Infokarten mit agilen Methoden anzeigt.

Mir war schnell klar: Philipp schon extrem viele dieser Canvases gesehen und bearbeitet. Es braucht etwas Geduld dabei und die Möglichkeit, nochmal neu zu starten … daher sind die Vorlagen laminiert und die Bearbeitung mit abwischbaren Stiften empfohlen.
Besser agil arbeiten
Viele Teilnehmer:innen um mich herum haben das Konzept sofort verstanden. Noch während des Vortrags legten sie damit los, ihr Canvas auszufüllen. Offenbar hatten sie schon Ideen und Ziele, und nutzten die Zeit und das Canvas, um sich mehr Klarheit zu verschaffen. Ich hingegen war einfach lost.
Ich fand es schwierig, das Canvas zu verstehen und den praktischen Nutzen dahinter zu erkennen. Ein möglicher Grund: Assistenzarbeit ist aufs Team fokussiert. Spielraum zur Optimierung ist zwar vorhanden, aber schmal. Hinzu kommt, dass Assistenz häufig keine Zielvorgaben hat. Aber ein Ziel ist wichtig, um das Canvas vernünftig auszufüllen.
Philipp startete auch noch direkt mit einem komplexen Beispiel durch. Sein eigenes Canvas, bezogen auf seine Führungsposition. Ziele also nicht nur für sich, sondern für die Firma und das gesamte Team. Sicher nicht in 45 Minuten entstanden, sondern über mehrere Tage.
Ziel, Kontext, Prozessbausteine
Die Session startete damit, dass Philipp große, laminierte Canvas-Vorlagen und Folienstifte verteilte. Er hat bereits oft mit dieser Vorlage gearbeitet und mit der Gruppe geteilt, welche Vor- und Nachteile es mit dem Canvas gibt.
Das Canvas beginnt mit einem blauen Feld, in dem du deine aktuelle Arbeitsumgebung, also das Umfeld der Veränderung der Arbeitsweise beschreibst. Wie siehst du dein Arbeitsumfeld? Wie ist die Firmenkultur? Wo arbeitest du und wo dein Team? Gibt es ungeschriebene Gesetze, die sich auf dein Arbeiten auswirken?
Darunter geht es weiter mit drei Feldern, die du wahrscheinlich parallel ausfüllst und im Prozess immer wieder prüfst und nachjustierst. Wie gut, dass du abwischbare Stifte benutzt!
Im grünen Feld für die Zielsetzung/das Wollen schreibst du auf, welche Veränderung du dir wünschst. Dieses Ziel oder das Wollen muss spezifisch sein, ohne direkt auf die Prozessebene zu gehen. „Optimal Arbeiten“ ist dafür zu schwammig „täglich 45 Minuten Fokuszeit mit Spaßgetränk“ ist zu sehr im Prozess gedacht. Für mehr Struktur gibt es einen eigenen Bereich mit den Wirkfaktoren (etwas Neues lernen, Zeit freischaufeln, ein virtueller Assistent für xyz), die dieses Ziel unterstützen.
Ich glaube, um dieses Ziel zu finden, braucht es viel Zeit zum Nachdenken, am Besten zusammen eine Sparringspartnerin, mit der du dich dazu austauschen kannst. Danach geht es übrigens nicht mit den Prozessbausteinen weiter, sondern mit Kontext.
Im gelben Feld ist Platz für Kontext in Form von „Können“ und „Dürfen“. Hier kannst du über die Grenzen deines Ziels reflektieren und damit auch einen Rahmen dafür setzen, mit welchen Bausteinen du deine Arbeitsweise im Hinblick auf dein Ziel umbauen kannst. Innerhalb der Firma und auch deine persönlichen Rahmenbedingungen.
Das blaue Feld mit den Rahmenbedingungen zeigt deinen Ist-Zustand des Arbeitens. Das gelbe Kontext-Feld bezieht sich eher auf die Zukunft – die Bedingungen, innerhalb denen du dich und deine Arbeitsweise verändern kannst.
Zum Schluss bearbeitest du das rote Feld In der Mitte des Canvas: passenden Bausteine. Diese Bausteine sind nun auf der Prozessebene. Sie führen vom Wollen zum Umsetzen und geben Antworten auf Fragen wie: Welche Meetings sind im Hinblick auf mein Ziel produktiv und welche nicht? Wie schaffe ich es, mich nicht mehr vor wichtigen Routinetätigkeiten zu drücken? Wie kann ich die Skills aufbauen, die ich zur Erreichung meines Ziels brauche?
Häufig geht es hier um agile Arbeitsmethoden, die du dir auch von der GMA-App vorstellen lassen kannst. Manchmal reichen aber schon kleine Anpassungen, die genau dein Problem lösen und dich so besser arbeiten lassen.
Das habe ich aus der Session mitgenommen
- Es gibt immer Dinge, die ich an meiner eigenen Arbeitsweise verbessern kann – das gelingt besser, wenn ich mir ein konkretes Ziel suche, auf das ich hinarbeite.
- Manchmal bringen kleine Lösungen schon ganz viel. Philipp hat berichtet, dass er dazu neigt, Zeitblocker für Routineaufgaben gerne zugunsten von Meetings zu streichen. Deswegen schafft er sich neue Verbindlichkeit für diese Aufgaben, indem er sich dafür mit anderen verabredet: Meeting statt Zeitblocker.
- Wenn das mit dem Canvas zu kompliziert ist, kannst du auch die GMA-App ausprobieren. Sie spuckt Methoden-Karten aus, die wie beim Quartett auch anzeigen, wie hoch ihr Wert für Bereiche wie Kundenbeziehung, Demokratisierung, Produktqualität und Time-to-Market ist.
Zum Innovation Culture Camp 2026 gibt es eine Übersichtsseite. Dort findest du alle meine Berichte zu den Barcamp-Sessions, die ich im Januar 2026 besucht habe.

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