Ich habe Style Sudoku, eine einfache Form der Capsule Wardrobe, ausprobiert und mache daraus ein Experiment. Im Oktober trage ich im Büro nur 12 Teile, aber immer neu kombiniert.
Wer hier auf dem Blog mitliest, weiß wahrscheinlich, dass ich immer wieder minimalistische Tendenzen habe. Ich kann dem Gedanken, dass jeder neue Gegenstand Arbeit bedeutet, viel abgewinnen.
Online-Shopping und ich
Aber Klamotten habe ich durchaus gern eingekauft, mehrmals im Jahr und am liebsten online. Online einkaufen bedeutet auch eine Menge Retouren … und die Online-Shops fangen an, das bei der Retoure anzumerken.
- H&M fragt seit Neuestem nach, ob ich wirklich beide Größen bestellen möchte.
- Otto schreibt, ich solle mein „Rücksendeverhalten“ ändern, sprich mehr von dem behalten, was ich bestelle – Frechheit!
- Beim großen Online-Schuhversand, bei dem ich seit über 10 Jahre eine gute Kundin war, verarbeitet nun eine ziemlich scheißige KI alle Anfragen und die Hotline wurde eingestellt: Retourenpaket verschwunden, keinerlei direkte Kommunikation möglich. Einfach der gesamte Einkaufswert futsch. Dort bestelle ich nie wieder etwas.
Die Idee ist da, aber wie umsetzen?
Durch diesen Frust ist bei mir die Idee entstanden, in meinem Kleiderschrank etwas mehr Minimalismus einkehren zu lassen. Außerdem hatte ich in den letzten Wochen auch positive Erlebnisse in Sachen vereinfachter Kleiderschrank.
- In meinen drei Wochen Urlaub kam ich wunderbar mit zwei kleinen Koffern aus: Für jeden Anlass war etwas dabei, ein paar Sachen habe ich gar nicht gebraucht.
- Im Schwimmkurs hatte ich immer denselben Badeanzug an: An 10 Terminen hintereinander. Dem Drang, noch einen zweiten zur Abwechslung zu besorgen, habe ich nicht nachgegeben und es war ein ziemlich gutes Gefühl. Die Tasche war auch schnell gepackt.
Ich liebäugele schon lang mit einer Basis-Garderobe (Capsule Wardrobe), Courney Carver ist das Musterbeispiel mit der 333-Challenge. Beim Project 333 geht es darum, drei Monate lang nur 33 Kleidungsstücke zu verwenden. Nur hatte ich dazu zwei Hürden: 1. Ich habe nicht unbeding 33 geeignete Teile und 2. ich befürchte, dass mir nach einer Weile die Ideen ausgehen und ich vielleicht keinen Spaß mehr beim Anziehen habe.
Andere Formen der Capsule – zum Beispiel die sehr gut gestalteten Varianten von Anuschka Rees – bestärken bei mir eher das Gefühl, dass ich noch nicht die „richtigen“ Sachen habe und für einen guten Look etwas Neues kaufen muss.
Mir schien es so, als müsste ich für eine schöne und funktionale Garderobe sehr viel Zeit in die Planung investieren. Gleichzeitig gehe ich ja jeden Tag irgendwie angezogen aus dem Haus?
Der erste Anlauf zur Capsule
Einen ersten Schritt in Richtung minimalistischer Style habe ich nach der Pandemie gemacht: Ich habe mir überlegt, dass ich gern eine spezifische Büro-Garderobe hätte, die sich von meiner privaten Ausstattung abgrenzt.
Denn ich war es leid, bei jedem Kleidungsstück darauf zu achten, ob sie auch fürs Büro taugt … das Ergebnis waren jahrelange Phasen mit schwarzen Strickjacken, unifarbenen Shirts und dunkelblauen Jeans ohne Waschung.
Ich dachte mir: Da ich jetzt nur drei Tage im Echtbüro erscheine, kann ich doch auch die ganzen Hosenanzüge, Kleider und Blusen anziehen, die ich sonst nur bei Events getragen habe. Doch mit der Zeit schleift sich auch hier eine (öde) Routine ein.
Ein paar (schöne!) Teile sind dabei, die ich nicht einfach kombinieren kann, also trage ich sie lieber gar nicht.
Spielerisch kombinieren mit Sudoku
Dann ist mir irgendwann (wahrscheinlich im Urlaub) Koffer-Sudoku untergekommen. Dabei wird der Koffer so gepackt, dass mit neun Teilen 27 Kombinationen (Oberteil, Unterteil, Extra-Lage) entstehen – jedes Teil wird also richtig oft getragen. Das Sudoku-System gibt es auch mit einem etwas größeren Raster: 4 Oberteile, 4 Unterteile, 4 Paar Schuhe und 4 Extras (Jacken, Tücher, Statement-Schmuck).
Das Beste daran ist, dass ich nicht planen muss, sondern die Teile einfach nur diesem Raster entsprechend auslegen und danach in verschiedenen Kombinationen abfotografieren muss. Ja, es ist wirklich so einfach:

Ich habe mich dazu entschieden, auch farbige und gemusterte Teile dazu zu nehmen. So haben die Blaue Karohose, die schwarze Tupfenbluse und die gigantische Blubberblasen-Kette ihren Weg in die Garderobe geschafft.

Jede „Zeile“ des Raster ergibt ein fertiges Outfit – ich hatte hier erstmal Kombinationen hingelegt, die ich schon kenne.

Das Raster ermöglicht die nächsten vier Outfits, indem man einfach den „Spalten“ des Rasters – also von oben nach unten – folgt. Jede Farbe ein Outfit.

Zwei weitere Outfits entstehen, wenn man das Raster diagonal liest. In dem Muster, das ich verwendet hatte, wurden nur diese Optionen genannt. Aber beim Abfotografieren habe ich gemerkt, dass da noch mehr geht!

Ja, denn jeweils zwei neben und übereinander liegende Felder ergeben – du ahnst es – auch ein Outfit. Oh und wenn du genau hinschaust, sind da in der Mitte nochmal zwei Outfits versteckt:

Siehst du was? Jepp! In der Mitte steht natürlich auch noch ein Outfit … oder eigentlich sind es nochmal vier:

Mir gefällt an dieser Kombinations-Methode vor allem, dass sie mir wenig Planung abverlangt. Ich lege 12 Teile nach dem Raster aus und die Kombinationen sind da. Gut einige finde ich gewagt: blau-grüne Karohose, schwarz-weiße Tupfenbluse, blauer Bluson und schwarze Turnschuhe. Find ich wild. An mir. An anderen würde ich das auf jeden Fall gut finden.
So sieht’s aus: Auf viele der Kombinationen wäre ich ohne das Raster nicht gekommen, dabei sind sie alle stimmig!
Mein Oktober-Experiment
Ich werde den gesamten Oktober über im Büro (ca. 12 Termine) nur 12 Teile aus meinem Kleiderschrank tragen und zwar jeden Tag in einer anderen Kombination. Alle Versionen habe ich abfotografiert – es ist ein bisschen wie Meal-Prep.
Ich freue mich darauf, morgens nicht über meine Kleidung nachdenken zu müssen, sondern höchstens über die Jacke, die zum Wetter passt. Außerdem freue ich mich darüber, dass ein paar ungewöhnliche Teile endlich mal gezeigt werden und nicht im Schrank versauern.
Noch ein Vorteil: Alle Sachen passen und gefallen mir. Ob sich alle kombinationen so locker umsetzen lassen – zum Beispiel, ob Top und Unterteil gut zusammen angezogen aussehen, nicht rutschen usw. werde ich dann erfahren.
Wenn alles läuft, geht es dann im November weiter – und natürlich werde ich hier ein Update schreiben, damit du weißt, wie’s damit läuft!

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