Seit Ende letzten Jahres experimentiere ich mit täglichen Blogeinträgen bei den Monats-Learnings. Entstanden ist ein hübsches Mikro-Tagebuch. Mein Beitrag zum Blogstöckchen von Annette Schwindt.
Die wunderbare Annette Schwindt hat ein Blogstöckchen in die Welt geworfen und fragt locker in die Runde:
Wie stehst du zum täglichen Bloggen?
Wie oft veröffentlichst du etwas in deinem Blog und könntest du dir vorstellen, das täglich zu tun?
Oder machst du das bereits und wenn ja, wie findest du die Inhalte dafür?
Hier kann ich etwas beitragen und erfülle damit gleich mein selbst-gestecktes Ziel, jede Woche einen Beitrag zu veröffentlichen.
Win-Win!
Das Besondere im Alltag finden
In meinem FeedReader habe ich eine ganze Reihe von klassischen Online-Logbüchern abonniert. Hier veröffentlichen die Blogger*innen täglich und berichten über ihren Alltag: Wie geschlafen? Was gegessen? Was erlebt? Wie dabei gefühlt?
Ich lese diese Beiträge sehr gerne, sie sind wie Mosaiksteinchen, die zusammengesetzt eine Welt ergeben: Wie lebt es sich in München, in Basel, in Berlin (oder Berlin), Hamburg oder in Offenbach? Ich erfahre, welches die schönsten Schwimmbäder sind und wo man richtig leckeres Essen bekommt.
Dann wäre da noch der ganze Alltag: Verbummelte Transponder wiederfinden, Umzüge managen, Knochenschall-Kopfhörer testen, Yogagymnastik turnen, Urlaub machen und unendlich viel Wäsche erledigen. News aus dem Kartoffelkombinat oder von der Ausgrabungsstätte oder aus dem Schrebergarten oder aus dem Hamburger Bahnhofsviertel. Fotos von Gemüsekisten, nebenbei kleine Eindrücke von den Menschen, die umsorgt und liebgehabt werden und dann noch all die begleitenden Haustiere, deren Lieblingsplätze und Befindlichkeiten.
Diese Blogger*innen gehen aufmerksam durch den Tag und finden immer etwas, das es wert ist, festgehalten und geteilt zu werden. Der Abstraktionsgrad der Berichte ist ganz unterschiedlich, doch das Mindset ist immer gleich: Alle zeigen einen Ausschnitt ihrer Welt.
Bin ich ein Tagebuch-Typ?
Ich lasse mich da gerne anstecken und schreibe seit April 2025 einmal im Monat mein #WMDEDGT. Auch mir fällt immer etwas ein, über das ich schreiben kann. Oft über Müdigkeit und viel übers Kochen und Essen. Ich erlaube mir Abschweifungen und Schlaufen und überarbeite nur wenig. Ich lasse Lücken bei vielen Dingen – keine Job-Details, keine Namen, keine Intimität. Aber dennoch kann man lesen, was ich beim Yoga so denke oder beim Warten (noch so ein großes Thema) oder beim Baden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich täglich schreiben könnte.
Trotzdem glaube ich, dass ich nicht der Typ für ein Online-Tagebuch bin. Hat früher schon mit Papier-Tagebüchern nicht geklappt. Drei oder vier ordentliche Einträge, danach nur noch sporadisch. Dieses Gefühl, das Tagebuch verhunzt zu haben, Rettungsversuche mit herausgerissenen Seiten oder dem Neuanfang auf der umgedrehten anderen Seite des Hefts. Bei Kalender-Büchern übrigens dasselbe. Was heute für mich funktioniert: Ein punktliniertes Din A5 Heft auf dem Schreibtisch, das für Ideen und Skizzen und Listen da ist. Für alles, bei dem ich Handschrift zum Denken brauche.
Selten stehen in diesen Heften Tagesbeobachtungen, sie enthalten Brainstormings und Zukunftspläne. Teilweise auch mal Morgenseiten, aber die klappen nicht so gut: Sie haben kein Ziel und kreisen immer weiter um sich selbst.
Mein Experiment – täglich lernen
Inzwischen gehöre ich auf meine Art zu denen, die täglich bloggen.
Ich führe eine Form des Online-Logbuchs, die zu mir passt. Monats-Learnings nämlich. Eine einfache Liste, auf der für jeden Tag des Monats ein Vermerk steht, was gelernt wurde. Ein Learning-Logbuch also. Das Format kommt von Ines und ich habe es über Ilka kennengelernt, die ebenfalls aufschreibt, was sie frisch gelernt hat. Der Unterschied zwischen meiner Liste und den Listen von Ines und Ilka ist lediglich, dass ich gleich am ersten Tag des Monats veröffentliche und man meinem Monat beim Wachsen zusehen kann.
Angefangen hat das als Experiment: Ich hatte damals die vage Vorstellung, dass sich die Learnings als tägliches Social Media Format eignen könnten und wollte im geschützten Blog-Rahmen testen, ob ich jeden Tag etwas veröffentlichen kann. Worauf warte ich hier eigentlich mit der Veröffentlichung, ich schreibe ja sowieso täglich etwas auf?
Die täglichen Learnings halten in verkürzter Form auch meinen Alltag fest. Den Kraulschwimmkurs, den Urlaub im Ferienhaus, den Büroalltag. Ein Mikro-Tagebuch. Am Monatsende sehe ich, womit ich mich jeden Tag beschäftigt habe. Es bilden sich kleine Lern-Cluster aus den unterschiedlichesten Themenbereichen. Mal geht es um Körpererfahrung im Butoh, mal um perfekte kleine Desserts (Eiskonfekt-Affogato – habe ich erfunden!) oder um Excel und Copilot oder um optimale Betriebsabläufe am Paket-Kiosk.
Man bloggt nie aus
Mit dieser Form des täglichen Bloggens fühle ich mich sehr wohl.
- Monats-Learnings sind niedrigschwellig. Die Frage „Was habe ich heute gelernt?“ ist flexibel und umfasst ganz viele Dinge. Es reicht ein kleines Puzzelteil, ein Aha-Erlebnis, eine Beobachtung.
- Monats-Learnings sind kurz. Manchmal reicht ein Absatz, ein Satz aus wenigen Worten, manchmal sogar nur ein Foto.
- Monats-Learnings erzählen Geschichten. Aus dem VHS-Kurs oder über Muskelkater. Es gibt eine Entwicklung, die nachgezeichnet wird.
- Monats-Learnings bieten Gesprächsstoff. Die kleinen Ahas und Ohos bieten oft einen Anlass für Kommentare und es ist leicht, weil man einfach an der Nummer in der Monatsliste andocken kann.
- Monats-Learnings müssen gar nichts. Auf Mastodon folge ich den drei guten Dingen des Tages. Doch ich möchte meinen Tag nicht darauf reduzieren, dass die Pizza lecker, das Wetter trocken oder die Bahn pünktlich war. Die Gelerntes-Liste bietet Raum für alles, auch für Fails und Probleme.
Alte Monats-Learnings lese ich ab und an durch und weiß dann wieder, was damals gerade los war. Die Liste hilft mir auch, mein Schreiben zu verbessern: Ich feile im Laufe des Monats auch an den einzelnen Punkten herum, werde klarer und pointierter.
Die Welt spiegelt sich in jedem Kaffeelöffel, auf jedem Blog und sogar in so einer unscheinbaren Liste wie den Monats-Learnings. Egal, ob jeden Tag oder jedes Schaltjahr: Wer bloggt, zeigt ein Stück der eigenen Welt und ist ein Teil des großen Ganzen.
Annette freut sich übrigens, wenn du dieses Blogstöckchen aufgreifst. Wenn du das tust, verlinke ihren Beitrag und hinterlasse ihr einen Kommentar mit Link auf deinen Blogartikel.

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