Workshop oder Incentive?

Die Session der Team Sherpas Florian Leiss und Burkhard de Cruppe beim #i2c26 zeigt, weshalb die Auftrags- und Rollenklärung im Vorfeld eines Teamworkshops so wichtig sind.

Beim Innovation Culture Camp sind sehr viele Teilnehmende selbst Trainer:innen und bieten ganz unterschiedliche Workshops und Team-Events an. Die Session der Team-Sherpas richtete sich gleichermaßen an diejenigen, die Workshops durchführen und and diejenigen, die welche in Auftrag geben.

Dabei betrachtete der Vortrag von Florian folgende Situationen, in denen etwas schiefgelaufen ist:

  • Der Chef kommentiert den Workshop abfällig aus der letzten Reihe (lebensecht simuliert von Burkhard).
  • Die Teilnehmenden stehen beim Outdoor-Workshop alle in Hausschuhen vor dem Hotel, als würden sie erwarten, dass es gleich wieder ins Haus geht.
  • Oder das Team erarbeitet gute Lösungen im Workshop, aber die Geschäftsführung betrachtet diesen Workshop als nicht erfolgreich – die Ergebnisse verschwinden in der Versenkung.

Ich bin kein Coach, aber als Teilnehmerin von Team-Workshops, habe ich Ähnliches auch schon erlebt. Die Präsentation von Florian zeigte auf, dass die Ursache oft in der mangelnden Absprache mit den Auftraggebenden begründet sind.

Ehrliche Auftragsklärung

Wie bei der Session der beiden im letzten Jahr zu Lego Serious Play habe ich viel gelernt. Der Fokus lag hier auf der Auftragsklärung im Vorfeld und den Fallstricken, die es dabei gibt.

Erster Schritt: Begriffe klären

Blick auf die Begriffe „Incentive“, „Seminar“ und „Workshop“, die oft nicht trennscharf verwendet werden: Bei einem Incentive geht es um entspanndende Erlebinsse und die Stärkung der Gruppe. Bei einem Seminar wird Wissen vermittelt, es ist ein Lernraum. Bei einem Workshop wird an realen Themen gearbeitet und es werden mit Mandat Entscheidungen getroffen.

Bereits hier beginnt die Auftragsklärung. Allen Beteiligten muss klar sein, dass verschiedene Formate unterschiedliche Rollen des Trainers erfordern.

Unternehmenskultur berücksichtigen

Der nächste Punkt, der bei der Auftragsklärung wichtig ist, ist die Unternehmenskultur: Nicht jedes Format funktioniert für jede Kultur. Regel- und Prozessorientierte Unternehmen fahren besser mit Seminaren und Fortbildungen, beziehungsorientierte Organisationen nutzen besser Workshops.

Rollenverständnis und Lösungsansätze

Diesen Part der Präsentation fand ich besonders erhellend, denn Florian hat die unterschiedlichen Rollen vorgestellt und dabei immer ergänzt, für welche Lösungen diese Rolle steht.

  • Ein:e Moderator:in achtet auf Struktur und Beteiligung; Lösungen kommen aus der Gruppe.
  • Ein:e Trainer:in vermittelt Wissen und gibt Orientierung; Lösungen bietet der/die Trainer:in selbst.
  • Ein:e Berater:in hat den Fokus auf Analyse und Optimierung; Lösungen sind Empfehlungen des/der Berater:in.
  • Ein:e Prozessbegleiter:in achtet auf die Organisationsentwicklung; die Lösung bleibt dabei immer offen.

Aufträge professionell ablehnen

Besonders wertvoll war die Checkliste, wann ein Auftrag abgelehnt werden sollte – das ist schmerzhaft, aber nicht jeder Auftrag nützt der eigenen Entwicklung. In der Klärungsphase zeigt sich schnell, wenn Ziele und Hintergrund nicht zusammen passen: Veränderung ohne Mandat – Tiefe ohne Zeit – verdeckter Rollenwechsel – Ergebnisse ohne Ressourcen.

Außerdem sollte man für sich die Frage beantworten: ist mein Ego lauter, als der Auftrag? Muss ich hier etwas vertreten, hinter dem ich nicht stehe?

Das habe ich aus der Session mitgenommen

  • Für die Vergangenheit: Die Session hat mir Anhaltspunkte gegeben, warum manche Team-Workshops nicht so funktioniert haben, wie geplant.
  • Good to know: Prozessbegleitung im Workshop ist immer Lösungsoffen; Es gibt keinen Workshop, bei dem die Lösung vorher feststeht.
  • Good to know: In stark hierarchisierten Organisationen, funktionieren Workshops leider nicht.
  • Good to know: Incentive, Seminar und Workshop lassen sich miteinander verbinden, aber müssen eventuell von verschiedenen Personen in unterschiedlichen Rollen gehalten werden.
  • Für die Zukunft: Als Auftraggeber:in trägt man Verantwortung für das Gelingen einer Team-Aktivität und muss sich intensiv damit auseinandersetzen, was das Ziel des Ganzen ist.

Kommentare

2 Antworten zu „Workshop oder Incentive?“

  1. Kurz überlegt, ob ich das jemandem schicke, der den Workshop in 1 1/2 Woche vorbereitet und jetzt über Moderator nachdenkt. Ist aus meiner Sicht zu spät und eigentlich wäre Prozessbegleiter nötig. Es wird spannend.

    1. Astrid

      Die Gefahr bei Moderation in Workshops ist, dass das Ergebnis beliebig wird, denn die Rolle verlangt inhaltliche Zurückhaltung, während ein Prozessbegleiter die Qualität des Entwicklungsprozesses im Blick behält und steuert. Ich drücke die Daumen für ein gutes Ergebnis!

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