Sommerlektüre 2024: Windstärke 17

Alte Bücher, die auf der Straße im Nordend drappiert wurden

Im Roman erzählt Ida, die kleine Schwestern von Tilda aus „22 Bahnen“, ihre Geschichte und trauert um ihre Mutter.

Ida kämpft als junge Erwachsene damit, den Suizid ihrer alkoholkranken Mutter zu verarbeiten.

Brüllen auf dem Baumwipfelpfad

Buchcover: Caroline Wahl "Windstärke 17"

„Windstärke 17“ von Caroline Wahl ist der Folgeroman zu ihrem Debüt „22 Bahnen“ und ist 2024 bei Dumont erschienen.

Ida ist, nachdem ihre Schwester ausgezogen ist, bei ihrer Mutter geblieben und hat deren Job im Café übernommen. Ihre Bewerbung auf einen Studienplatz in Leipzig wurde abgelehnt. Nach dem Tod der Mutter verlässt sie mit einem einzigen Koffer die triste Wohnung in der Fröhlichstaße. Ida kann sich nicht dazu durchringen, sich von ihrer Schwester helfen zu lassen und fährt entgegen der Abmachung auf eigene Faust an die Ostsee, anstatt zu Tilda und ihrer Familie nach Hamburg zu fahren. Auf Rügen stellt sich Ida alleine gegen den Regen, den Sturm, das Meer.

Der Stil von Caroline Wahl ist kühl und fließend und die Dialoge sind spiegelglatt. Wie ein Wasserstrudel entwickelt der Text eine Sogwirkung. Besonders in den Passagen, in denen sich die psychische Extremsituation der Protagonistin ins Körperliche übersetzt: Schwimmen im Sturm, Rennen im Wald und Brüllen auf dem Baumwipfelpfad.


Diesen Sommer habe ich drei richtig gute und spannende Romane gelesen von den Autorinnen Caroline Wahl, Paula Irmschler und Mareike Fallwickl.

Alle drei Bücher habe ich mit großer Offenheit und Neugierde gelesen und schnell Parallelen und Berührungspunkte gesehen.

Ida würde sich wohl gut mit Karla aus „Alles immer wegen damals“ verstehen: Den Familienchat ignorieren und spontan an die Ostsee fahren ist eine Gemeinsamkeit der beiden Geschichten. Ob die beiden miteinander Radiesschenbrote mit Vegeta essen würden?

Bücher, die dazu passen

A. L. Kennedy, Paradies, Wagenbach, 2005

Helene Bockhorst, Die beste Depression der Welt, Ullstein, 2021


Mein Eindruck: Bücher von Autorinnen werden – wenn sie überhaupt rezensiert werden – viel kritischer besprochen, als die von männlichen Autoren. Da hilft nur lesen, lesen, lesen und sich selbst ein Bild machen.

Kommentare

Eine Antwort zu „Sommerlektüre 2024: Windstärke 17“

  1. […] Elin und Ida aus „Windstärke 17“ überhaupt miteinander in Kontakt treten? Elin ist ja doch etwas abgehoben … Immerhin spüren […]

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