Diese Session beim #i2c26 habe ich zusammen mit Stefanie Nowak konzipiert – das war cool mit viel, viel „ja genau!“. Am Tag des Barcamps gab’s ein kleines „oh no!“. Hier mein Bericht zu Vorbereitungen und Ergebnissen. Es war aufregend.
Manchmal passt es einfach: Dieses Jahr wollte ich nicht allein auf das Innovation Culture Camp gehen, sondern habe meine Lieblingskollegin Stefanie gefragt, ob sie Lust hätte mitzukommen. Ja, hatte sie. Außerdem hab ich Stefanie gefragt, ob wir eine gemeinsame Session geben möchten. Warum eigentlich nicht?
Und dann fügte sich alles innerhalb von wenigen Tagen zu einem guten Gesamtbild. Immer nach dem Yes-and-Prinzip.
- Wollen wir etwas zum Thema Künstliche Intelligenz machen? Ja, genau!
- … und wir könnten alle nach ihren Lieblingen fragen. Ja genau!
- … und dann könnten sich alle untereinander austauschen. Ja genau!
- … dafür können wir Fragen vorgeben, vielleicht als Formular? Ja, genau!
- … und am Ende sammeln wir alle Formulare. Ja, genau!
- … und wir geben am Ende allen einen QR-Code, wo alle alle Formulare abrufen können! Ja, genau!
- … noch eine Idee: Können wir auf bei der Session noch „next Level“ einbauen? Ja, genau!
So entstand unsere Session „KI-Lieblinge: Gemeinsam bringen wir deine Skills auf das next Level“.
KI-Lieblinge, was soll das sein?
Da Stefanie und ich in der KI-Taskforce unseres Unternehmens sind, war das Thema KI schnell gesetzt. Ich wollte gerne etwas einfaches machen. Reden. Über „KI-Lieblinge“. Das könnte alles einschließen: Das Lieblings-Tool, der Lieblings-Anwendungsbereich oder auch der Lieblings-Prompt.
Denn ich kenne inzwischen wirklich viele Anwendungsformen, die sich nebeneinander her entwickeln. Jeder ist etwas anders mit KI unterwegs und nur wenige haben sich (vielleicht etwas voreilig) wieder davon verabschiedet.
Es gibt die Kollegin, die sich eigentlich nur beim Formulieren von E-Mails helfen lässt und hier und da ein lustiges Bild erstellt. Der Azubi nutzt die KI als Berater bei neuen Aufgaben und für Excel-Tipps. Drei Büros weiter wird mit Agenten, Loops und Prozessen experimentiert und auf dem anderen Stockwerk konzipiert jemand mal eben ganz neue Apps.
Alle tun es, aber niemand spricht gerne drüber. Der offene Austausch darüber, wie mit KI gearbeitet wird, fehlt. Vordergründig, weil die Zeit fehlt. Aber ich glaube, dahinter steht ein anderes Thema. Denn KI-Nutzung ist neu und fühlt sich manchmal heikel an. Nicht jedes Unternehmen hat eine KI-Handreichung oder definiert klare Nutzungsfelder. Mal ist es verboten, mal wird schief angeschaut, wer sich in die KI-Karten schauen lässt. Außerdem ist das verwenden von KI so anders als das, was wir bisher unter „Arbeit“ verstehen.
Das Barcamp ist ein richtig guter Rahmen, um sich auszutauschen. Endlich Zeit, darüber nachzudenken und miteinander zu sprechen und neue Perspektiven kennenzulernen.
Wie plant man das Unplanbare?
Stefanie hat als Agile Coach den Blick auf Workshops und Methoden. Natürlich fragte sie gleich, wie wir so eine Session aufziehen könnten, welche Materialien uns zur Verfügung stehen würden und wer wie moderiert.
Doch beim Barcamp sind viele Faktoren für die Workshop-Planung unbekannt. Vieles lässt sich nicht perfekt planen. Wir wissen nicht, wie die Räume aussehen werden. Ob es ein Flipchart oder ein Whiteboard gibt. Wir wissen nicht mal, wie viele Teilnehmende die Session haben wird. Was kann man mit fünf Personen genauso machen, wie mit zwanzig? Es ist eine gute Übung darin, loszulassen.
Die Idee war dann, dass wir die Gruppe eine Kaskade durchlaufen lassen. Erst in Ruhe das kleine Formular mit Fragen zu den KI-Lieblingen ausfüllen, danach erst mit einer Person dazu austauschen – sich gegenseitig den Liebling vorstellen und darüber sprechen. In der nächsten Runde gehen zwei Gruppen zusammen und dann eventuell noch in einer dritten Runde …
Auf unserem Arbeitsblatt hatten wir das Schema „What?“ „How?“ „Why?“ vorgegeben, damit alle ihren KI-Liebling strukturiert beschreiben können. Dazu einen Bereich für das eigene Aha-Erlebnis, falls jemand es teilen möchte sowie ein Feld für offene Fragen. Der Bereich „next Level“ war gedacht für die Ideen, die im Austausch entstehen. Einfach und unkompliziert.

Die Session in der Praxis: Auf einmal war die Bude voll
Jetzt das kleine „Oh no!“. Das sah so aus, dass Stefanie am Tag des Barcamps leider krank war. Das war auch einige Tage vorher schon so. Wir hatten es kommen sehen, doch wir haben auch beide bis zuletzt gehofft, dass bis zum Samstag alles wieder gut ist. War es leider nicht.
Also fuhr ich wieder alleine nach Wiesbaden. Hatte sogar kurz überlegt, ob ich die Session gut sein lasse. Aber wir hatten sie so schön vorbereitet. Also los. Pitchen vor 200 Leuten: Kurz fassen, deutlich sprechen, lächeln. Es lief ziemlich gut, aber zu zweit wäre es noch cooler gewesen.
So kam es, dass die erste Session des Tages meine eigene, nein, unsere war. Ein sehr schöner Raum, super passend mit Konferenztisch, Motivationsplakaten und Zimmerpflanzen. Zuerst waren wir zu viert, einige hielten sich im Hintergrund, wollten nur in Ruhe den Sessionplan durchforsten. Und auf einmal war die Bude voll. Alle 20 Plätze besetzt. Richtig voll. Über den Pitch und das Formular hinaus hatte ich mir wenig Gedanken gemacht.
Bisschen Panik hilft bekanntlich bei der Konzentration. Was war ich konzentriert. Es ging sofort los. Ich habe das Thema nochmal kurz vorgestellt, gezeigt, wie ich mein eigenes Formular ausgefüllt habe und dass wir zusammen Ideen suchen, wie wir auf das next Level kommen.
Dann Timekeeping für die erste Runde (und etwas Durchatmen). Alle schreiben so brav. Die erste Gesprächsrunde fängt an, es wird richtig laut im Raum. Ich schaue mich um, alle haben jemanden für den Austausch gefunden. Eine Gruppe sucht sich eine Breakout-Gelegenheit auf dem Flur.
Ich selbst bin vor allem Bademeisterin: Gerät das Gespräch ins Stocken? Gibt es Nachzügler? Was ist mit der Zeit? Aber die Session läuft fast wie von selbst. Bei der nächsten Runde sage ich noch an, dass man sich gegenseitig seine Learnings vorstellen kann. Die Lautstärke steigt wieder an, doch alle ziehen es durch.
Die Gruppe vom Flur kommt zurück – ich dachte, ich sehe sie nie mehr wieder. Eine Teilnehmerin hostet eine eigene KI-Learning-Community und arbeitet mit Voice Agents, ein anderer bastelt an einem Marketing Agenten, noch ein anderer Teilnehmer würde gern eine App entwerfen. Alle haben Fragen: Welche KI nutzt ihr? Was baut ihr selbst? Was kauft ihr zu? Wie ist das mit dem Datenschutz?
Zum Abschluss frage ich noch nach den Aha-Erlebnissen. Die Geschwindigkeit der Tools und der gesamten Entwicklung ist ein Thema. Ob wir uns alle selbst abschaffen?
Die 45 Minuten waren richtig schnell vorbei, zum Schluss hab ich noch alle Handzettel eingesammelt. Ich darf mir selbst auf die Schulter klopfen, dass es so gut gelaufen ist. Dann geht es auch für mich – leicht reizüberflutet – weiter zur nächsten Session.
Das habe ich aus der Session mitgenommen
- Einen Stapel Handzettel mit Notizen zu KI-Lieblingen
- Eine ordentliche Schippe mehr Workshop-Erfahrung
- Die Bestätigung: Wir müssen mehr über KI sprechen
- Vertrauen in das Barcamp als Lernraum
- Etwas Kolleginnen-Vermissung
Zum Innovation Culture Camp 2026 gibt es eine Übersichtsseite. Dort findest du alle meine Berichte zu den Barcamp-Sessions, die ich im Januar 2026 besucht habe.

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