Invisible People im Filmforum Höchst

Butoh Performance mit Anna Orkolainen im Filmforum Höchst.

Am 18. Januar 2026 wurde im Filmforum Höchst „Invisible People“, ein filmischer Essay über Butoh, den japanischen Tanz der Finsternis, gezeigt. Davor gab es eine Butoh Performance und im Anschluss eine Fragerunde mit der Regisseurin Alisa Berger und Tanzlehrerin Anna Orkolainen. Organisiert von der vhs Frankfurt.

Ohne die vhs Frankfurt würde ich heute wahrscheinlich kein Butoh tanzen. Diese experimentelle Form des Ausdruckstanzes – der Tanz der Finsternis – aus Japan ermöglicht eine Form des Ausdrucks, die direkt aus dem Körper kommt.

Seit mehreren Jahren hat die Volkshochschule Frankfurt Butoh-Kurse und Workshops im Angebot. Im Januar haben sich die Fachbereiche Tanz und Film zusammengeschlossen und im Filmforum Höchst den Film „Invisible People“ von Alisa Berger gezeigt. Am gleichen Wochenende fand der Workshop „Transformation durch die Dunkelheit“ mit Anna Orkolainen statt, die den Filmabend mit einer Butoh Performance eröffnete.

Auf dem Foto sieht man, wie stolz die Organisatorinnen auf diese wunderbare Veranstaltung waren und das ganz zu Recht!

Links: Sabine Imhof, Programmverantwortliche des Filmforums, Mitte. Regisseurin Alisa Berger, rechte Seite: Miriam Claudi (?) , vhs Fachbereich Kultur und Gestalten.

Butoh: Durch Tanz die Leinwand öffnen

In meinem Jahresrückblick hatte ich mir gewünscht, mal eine Live-Performance von Butoh zu sehen, nie hätte ich gedacht, dass es nur zwei Wochen später soweit sein könnte.

Drei Tänzer:innen, darunter Anna Orkolainen bewegten sich vom hinteren Ende des Kinosaals bis nach vorn zur Leinwand. Alle in Langsamkeit und Fokus. Diese Konzentration überträgt sich direkt auf den gesamten Raum. Mir ist das Fotografieren schwer gefallen, gern hätte ich auch einfach nur geschaut, aber der Wunsch, das festzuhalten, war stärker.

Die drei Tänzer:innen bleiben dabei eng zusammen, aber jede:r auch für sich. Der gesamte Raum wird in den Tanz mit einbezogen, die Beschaffenheit der Wände, Türen, Böden und Vorhänge. Sie sind Schalfwandelnde, die sich langsam vorwärts bewegen, aber trotzdem eine Einheit.

Sehr gelungen war der Übergang vom Ende des Tanzes (die Tanzenden versinken alle in den Kinosesseln in der ersten Reihe) und dem Beginn des Films.

Butoh-Performance im Filmforum Höchst.

Invisible People – Filmessay über Butoh

Alisa Berger stellt Ihren Film als Essay vor, der Material aus verschiedenen Filmprojekten miteinander in Beziehung stellt. Die verbindende Klammer ist ihr eigenes Erleben, ihre Gedanken zu Butoh und über den Tod ihres Vaters. Eine kurze Momentaufnahme taucht immer wieder auf: Alisas Vater durch ein Fenster gefilmt, wie er auf einer Nest-Schaukel auf dem Spielplatz schräg gegenüber liegt.

Geschichte des Butoh

Der Film enthält einige dokumentarische Passagen aus dem Hijikata Tatsumi Archive und aus dem Kazuo Ohno Tanzstudio. Gleichzeitig werden so die beiden Schulen des Butoh und deren Entwicklung bis heute nachgezeichnet. Die Gedanken und Informationen dazu kommen über die englische Tonspur, eingesprochen von Alisa Berger selbst.

Alisa Berger zeigt auch Kurzporträts verschiedener Tänzer, besonders beeindruckend ist dabei die Vorstellung von Seiji Tanaka, der erzählt, wie er das Foto von Pina Bausch und Kazuo Ohno aufgenommen hat.

Außerdem gibt es eine interessante Episode über die Nachtklubs, die Hijikata Tatsumi betrieb, damit seine Tänzer:innen ihren Lebensunterhalt verdienen konnten, ohne sich zu prostituieren.

Butoh-Tanz: Ausdruck frei von Inhalt

Doch der Film zeigt vor allem tanzende Körper. Mal im Freien, oder in Lost Places. Die Tänzerinnen und Tänzer sind, wie für Butoh typisch, weiß geschminkt, karge Kostüme (eine Zuschauerin aus dem Publikum nennt es später „ärmliche“ Kleidung) und in Bewegung. Der Soundtrack ist experimentell, Geräusche, Flüstern, Klangwelten.

Alisa Berger formuliert dabei Gedanken über Transzendenz. Es geht um Unsichtbarkeit, Leerstellen und das Konzept des „empty Body“. Dahinter steht die Idee, dass beim Butoh die eigene Persönlichkeit verschwindet und dem Körper damit den reinen Ausdruck ermöglicht. Sie geht dabei so weit, dass sie es als Trancezustand beschreibt, bei dem der Körper einem anderen Wesen überlassen wird.

Mit meinem Hintergrundwissen über Butoh ist der Film ein sehr wertvoller Beitrag und die Beschäftigung mit dieser Form des Ausdruckstanzes bereichert mein Lernen über diese Thema ungemein. Dennoch hätte jede der Episoden bestimmt genug Material für einen eigenen Film hergegeben.

Fragerunde im Anschluss

Ich musste die Runde früher verlassen – Anna Orkolainen beantwortet eine Frage zur Performance.

Nach dem Film bot sich noch die Gelegenheit, Fragen an die Regisseurin und an Anna Orkolainen zu stellen.

Alisa Berger ordnete den Film auch nochmal ein in Hinsicht darauf, wie er sich als Projekt entwickelte. Es hat etwas gedauert, bis das Projekt die Essay-Form bekommen hat und ihre eigene Perspektive auf den Tanz so stark in den Fokus gerückt ist.

Berger ist eigentlich Spielfilmregisseurin und Teile des Materials waren für ein Horrorfilm-Projekt gedacht. Die Tänzer-Portraits wiederum waren für ein größeres dokumentarisches Projekt gedacht. Sie hat außerdem eine eigene Butoh-Ausbildung in Japan abgeschlossen unter anderem beim gleichen Lehrer wie Anna Orkolainen.

Eine neue Sichtweise auf Butoh ist für mich, dass Berger und Orkolainen von eben diesen unsichtbaren Wesen und Verbindungen sprechen, die zum Beispiel den Kontakt der Tänzer untereinander ermöglichen. Immer wieder geht es um das Konzept der Leere und um transzendentale Zwischenräume.


Film: Invisible People von Alisa Berger; 71 Minuten; gezeigt im Rahmen der deutschen Kino-Tour 2025/2026 in Kooperation mit Film & Dialog im Filmforum Höchst.


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