Ein Osterspaziergang #WMDEDGT

Der Frankfurter Westhafen und die EZB.

Der 5. April 2026 ist Ostersonntag, das Wetter in Frankfurt ist bedeckt und windig. Natürlich wird der Tag dokumentiert, denn am fünften des Monats stellt Frau Brüllen die Frage „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“. Folgendes.

Ich bin etwas früher wach als K. Dieses Jahr verbringen wir die Ostertage entspannt gemeinsam in Frankfurt. Der erste Weg führt mich zur Kaffeemaschine, dann gemütlich mit dem Tablet auf die Couch. Lesen über das Treffen von Frau Brüllen mit Frau Kaltmamsell in München. Bestes Blog-Crossover.

Micro-Design und Musik in den 90ern

Spätes Frühstück, K. isst Schokomüsli, ich Bauernbaguette mit einem Rest Räucherlachs. Mehr Kaffee. Mehr Internet während die Sportwäsche läuft. Ich entdecke Cova auf Instagram mit einem Kurzvideo über den Micro-Design-Trend am Beispiel von „Bread-Clips“, also kleinen Verschlüssen für Toastbrot-Beutel (ich kenne die gezeigten Clipse gar nicht, sondern nur diese kleinen Drat-in-Papier-Dinger). Cova ist eigentlich Spezialistin für KI-Design und Videos. Bin besonders beeindruckt von einem Video, in dem der Hintergrund wächst und pulsiert, nur geleitet von einem Bild, auf dem per Hand ein paar Bewegungslinien eingezeichnet wurden.

Nochmal in den Feedreader geschaut: Everything is better than Doomscrolling hat ein Zine über Enya gestaltet. Per Hand. Ich denke an die kanadische Schulfreundin, die am liebsten Enya und den Starlight Express-Soundtrack hörte. Überhaupt Musik hören in den 90ern. Meine Enttäuschung, als ich 4 Non Blondes und Ace of Base auf Kassette geschenkt bekam und nicht auf CD. Weil man dann immer das ganze Band hören musste und nicht von Song zu Song springen konnte. K. hat zu dieser Zeit das Taschengeld immer direkt zu WOM in Saarbrücken getragen und Metal-Alben gekauft.

Ich telefoniere mit meiner Mutter, mache ein Treffen für Ostermontag aus und erzähle über den Besuch beim Poetry Slam letzte Woche. Dann fällt mir ein, dass die große Tochter einer Freundin heute zu nachtschlafender Zeit beim Osterfeuer getauft wurde, werde später nochmals dran denken, aber trotzdem vergessen, Grüße zu schicken.

Mainspaziergang mit Anna

Am Nachmittag ist schon länger ein Treffen mit Anna Koschinski geplant. Sie macht auf dem Weg in den Urlaub in Frankfurt Station. Yay! Wir sind auf einen Kaffee und einen Spaziergang verabredet. K. bleibt zuhause, spielt Gitarre und korrigiert ein paar Arbeiten.

Der Plan ist, dass ich Anna im Hotel abhole. Ich bin etwas früh dran und verbummele die Wartezeit in der Bahnhofsbuchhandlung. Sehe, dass es ein Reclam Heft mit Tocotronic-Songtexten gibt und fühle mich dabei irgendwie alt. Dann schau im mich noch etwas im Hauptbahnhof nach Fotomotiven um, finde kein interessantes Motiv und nehme zum ersten Mal die Unterführung unter den Fernzug-Bahngleisen. Der Gang ist still und leer, aber etwas eng und beklemmend. Ich nehme den Südausgang, vorbei am Flixbus-Bahnhof und treffe Anna in der Hotellobby.

Anna live statt Anna im Zoommeting. Wir laufen am Main entlang. Vorbei am Skaterpark, die Platanenallee entlang zum Nizza-Ufer unter dem Holbeinsteg durch und dann stadteinwärts durch die Münzgasse zum Goethehaus ins Café Karin. Auf dem Weg reden wir über Annas Zwischenstopp in Bonn, wo sie Stephanie, Annette und Thomas besucht hat. Über Buchprojekte, über Frankfurt und Bielefeld und über Selbständigkeit und Festanstellung.

Wir sprechen auch über die Fastenzeit. Ich erzähle, wie ich mal sieben Wochen lang nicht über Äußerlichkeiten gesprochen habe und wie viel Smalltalk dann wegfällt: Nicht über die neue Brille, die schicke Bluse oder die neue Diät der Kolleginnen reden. Da habe ich viel darüber gelernt, wie viel Raum all diese Äußerlichkeiten in der Kommunikation von Fraunen einnehmen.

Eine Runde Riesenrad

Nach dem Kaffee gehen Anna und ich weiter an der Paulskirche vorbei, durch die neue Altstadt wieder runter zum Main und dann immer weiter geradeaus. Es ist bedeckt und windig, wir werden ganz schön durchgepustet, was man auch auf unserem Beweisbild sehen kann. Im Hintergrund natürlich die Skyline.

Astrid Schewe und Anna Koschinski beim Osterspaziergang.

Unterwegs sammeln wir „mach neu!“-Momente: Die frankfurter Altstadt ist ein Mach-Neu, die Schwedlerbrücke im Ostend ebenfalls ein Mach-Neu. Überlegungen zu Video-Content, Steady-Abonnements, Umstellung auf Ghost und dann komplett auf Linux. Mach neu, mach neu, mach neu. Wir stellen beide fest, dass wir Joan Westenberg inspirierend finden.

Die letzte Etappe läuft an der EZB und am Ostpark vorbei zur Dippemess. Wir drehen eine Runde auf dem Riesenrad und sprechen über Experimente, für die täglich eine Stunde täglich freigeräumt wird. Eine Stunde geht immer, man muss es aber wollen. Ich hab mir vorgenommen, täglich eine Stunde bewussst offline zu verbringen, denn ich spüre in letzter Zeit doch die Reizüberflutung durch die Geschwindigkeit der Informationen, die Tendenz zum second Screen und den ganzen Input aus dem Feedreader.

Nach der Dippemess bringe ich Anna noch ein Stück in Richtung Hotel. Das nächste Mal komme ich nach Bielefeld.

Abendessen mit K.

Als ich heimkomme, ist das Hähnchen schon im Ofen und K. schenkt uns Amer Bière ein. Beim Abwasch sind drei Espressotassen zu Bruch gegangen. K. ist entspannt und ich bin etwas müde vom langen Spaziergang. Wir essen und reden und gehen früh schlafen. Ich vertage das #WmdedgT auf morgen und schaue noch etwas Atlanta Medical zum Einschlafen.


Alle Beiträge zu #wmdedgt am Ostersonntag werden bei Frau Brüllen verlinkt. Und ich geh jetzt nachlesen, ob Eier bemalt, gesucht und gefunden wurden.


Kommentare

Ein Kommentar zu „Ein Osterspaziergang #WMDEDGT“

  1. Ach schön, unser Date aus deiner Perspektive hier noch mal zu durchleben (und mit den korrekten Ortsangaben, ich hab erzählt „am Main lang, dann Kirche, dann Altstadt, dann Kirmes,dann wieder am Main lang“ 😬). Danke dir, unser Treffen war sehr inspirierend – und unterhaltsam. Wie ein guter Blogartikel ☺️

    Bis bald
    Anna

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