Das möchte ich mal werden (wenn ich groß bin)

In meinem Blognacht-Text geht es um Wachstum und Weiterentwicklung. Es geht auch um das Schreiben und darum, frei und albern zu sein.

Das Jahr ist noch recht frisch und ich habe in den letzten Wochen sowieso viel über mein Leben nachgedacht. Wo komm ich her? Wo geh ich hin? Warum zahl ich so viel Eintritt für die Ärzte? Und wenn ich schon so viel Eintritt zahle, warum kauf ich dann nicht noch ein T-Shirt? In der heutigen Blognacht gibt Anna den Impuls „Was will ich mal werden, wenn ich groß bin?“ und schon lande ich wieder im Thema Wachstum und Entwicklung.

Wenn ich mal groß bin, dann stelle ich mich einfach an einen Stehtisch und lege ganz locker meine Unterarme darauf ab. Im Supermarkt greife ich die Packung mit den gefüllten Peperoni aus dem oberen Kühlregal, ohne mich auf die Zehenspitzen zu stellen. Ich halte mich problemlos an den Haltegriffen an der Decke der Frankfurter U-Bahn fest. Oder ich setze mich auf einen Stuhl in einem Meetingraum, meine Füße baumeln dabei gar in der Luft, sie haben festen Stand. Wie krass wäre das?

Ich habe im November ein Interview gegeben, da wurde ich als Rolemodel für den Assistenzberuf vorgestellt und im Interview über meine berufliche Entwicklung gesprochen. Da habe ich erzählt, dass ich als Teenager ein Abo des Jetzt-Magazins der Süddeutschen Zeitung hatte und gerne auch sowas geschrieben hätte. Ich war auch in der Schülerzeitung und habe ulkige Bravo-Parodien verfasst: Foto-Love-Stories, Psycho-Tests, tausend Varianten von „Mein erstes Mal“. Als ich dann groß war, habe ich doch ganz anders mein Geld verdient. Als Assistenz mit Struktur und Ordnungssinn und mit vielen guten Ideen.

Doch dann war ich noch etwas größer, der Job war nicht mehr neu für mich, alles routiniert. Ich habe angefangen, das Schreiben zu vermissen. Ein bisschen geschrieben habe ich immer. Für das Mitarbeitermagazin, bisschen albern, immer konstruktiv. Meine Mutter hatte da mal angemerkt, dass ich als Teenager viel witziger geschrieben hätte, rebellischer. Wahrscheinlich hat sie recht. Die Firma von A-Z als Mix aus praktischen Infos und Klamauk. Das kam gut an. Dann wurde das Magazin eingestellt, doch ich wollte weiter veröffentlichen.

„Ein Blog? Nee, nicht du auch noch!“ war die erste Reaktion, die ich auf diese Idee bekommen habe. Also habe ich es bleiben lassen. Eine Weile jedenfalls. Dann bin ich noch etwas gewachsen und habe es trotzdem gemacht. Richtig fundierte Artikel über die Assistenzarbeit verfassen. Als ob. Ich schreib einfach immer noch über erste Male, aber es sind mehr echte Eindrücke, weniger Pointen.

Wenn ich jetzt also mal richtig groß bin, was möchte ich denn dann werden? Meine Klassenkameradin hat im Freundebuch geantwortet „schön“, die andere „alt und weise“ und ich „Wahrsagerin“ (weil’s mein Faschingskostüm war). Bis hierher kann ich nur sagen, dass ich immer weiter wachse und mich auch immer weiter verändere. Vielleicht will ich wieder so rebellisch komisch sein, wie als Teenager.


Das ist mein Text zur Blognacht Anna Koschinski. Einmal im Monat ist Anna Gastgeberin dieses Online-Events zum gemeinsamen alleine schreiben – sie bringt immer auch einen Impuls mit und wer möchte, schreibt dazu. Die Texte aus der Blognacht sind immer etwas Besonderes, auch wenn – wie heute – nicht alle Fragen beantwortet werden.


Kommentare

2 Antworten zu „Das möchte ich mal werden (wenn ich groß bin)“

  1. Schön, dass du es trotzdem gemacht hast mit dem Bloggen, liebe Astrid. Deine Phantasien, was wir alles tun könnten, wenn wir mal „groß“ wären mag ich. Wie schön wäre es, im Supermarkt entspannt überall dran zu kommen …

    Kometenhafte Grüße
    Stephanie

    1. Astrid

      Danke fürs Lesen, liebe Stephanie! Ich bin auch sehr froh, dass ich das Blog trotzdem angefangen habe. Die Reaktion meines Gegenübers hatte wohl weniger mit mir zu tun, als mit sich selbst. Hat aber einen Moment gedauert, das zu verstehen. Liebe Grüße, Astrid

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