Stephanie Schwemlein erzählt im Interview, wie sie Auszubildende und Studierende fit für die berufliche Praxis macht. Ich freue mich, diese Interviewreihe über Assistenzen mit einer Lieblingskollegin zu starten.
Stephanie Schwemlein hat 2023 den Ausbilderlehrgang bei der IHK Frankfurt erfolgreich absolviert. Sie ist seit 2014 Ausbildungsbeauftragte und die Ansprechpartnerin für Praktikant:innen, Auszubildende und dual Studierende in der Abteilung Außenwirtschaft des VDMA e. V.
In unserem Gespräch vom 21. März 2025 berichtet Stephanie über ihre Arbeit mit Berufseinsteiger:innen.
Ausbilderin, Mentorin und Coach
Wie kann ich die Zeit in der Abteilung interessant gestalten? Was könnte Auszubildende interessieren? Was sollten Studierende aus unserer Abteilung mitnehmen?
Diese Fragen stellt sich Stephanie immer, wenn ein Auszubildender oder eine Studentin in ihrer Abteilung eingesetzt werden. Die Verantwortung, die damit einhergeht, als Ausbilderin Praktikanten, Azubis und Studierende zu betreuen, nimmt Stephanie sehr ernst.
„Die Zeit der Ausbildung prägt diese jungen Menschen nachhaltig für ihr Leben. Als Ausbildungsbeauftragte bin ich Mentorin, Coach und manchmal auch Elternersatz.“
Das Wissen um diese Verantwortung war einer der Gründe, warum Stephanie sich 2023 für die AEVO-Prüfung entschied, doch auch die Covid-Pandemie hat dazu beigetragen: „Plötzlich waren alle im Homeoffice. Was wir vorher gemacht haben, zum Beispiel Auszubildende zu Veranstaltungen mitzunehmen und zu zeigen, was wir machen, war nicht mehr möglich“.
Als dann noch die internen Seminare für Ausbildungsbeauftrage auf Eis gelegt wurden, entschloss Stephanie sich dazu, die Ausbildung in der Abteilung weiter zu optimieren und zu professionalisieren.
Ausbildung passend zum Lerntyp
Durch den Lehrgang hat Stephanie verstanden, wie sie Auszubildende optimal beim Lernen unterstützen kann. Das Wissen über die verschiedenen Lerntypen und -methoden hat ihr dabei geholfen.
„Welcher Lerntyp jemand ist, also ob jemand eher ein visueller oder ein haptischer Typ ist, ob jemand schneller durch Zuhören, Erzählen oder Ausprobieren lernt, das erkennt man mit etwas Übung recht schnell. Manchmal hilft es auch, einfach nachzufragen.“
Stephanie achtet darauf, dass die Aufgaben gut zum Lerntyp passen. Mit jemand, der gerne erzählt, was er tut, führt sie mehr Gespräche, bei einem visuellen Lerntyp bringt sie Fotos oder Schaubilder zum Einsatz. „Wer haptisch angesprochen wird, dem gebe ich zuerst eine praktische Aufgabe, wie eine Tagungsmappe zusammenzustellen, und wir sprechen hinterher über den Nutzen und den Lernerfolg“.
Stephanie hat es sich abgewöhnt, die Dinge immer vorzumachen. Stattdessen versucht sie, die Auszubildenden so oft wie möglich direkt machen zu lassen. So können sie sich die Aufgaben selbständig erarbeiten und lernen, ihre Handlungen zu reflektieren.
“Wenn ich jetzt etwas an der Datenbank zeige, dann setze ich mich nicht mehr selbst an den Rechner und klimpere es den Auszubildenden vor, sondern ich tausche den Platz, lasse den Auszubildenden machen und gebe nur ab und zu Hinweise.“
Für Stephanie ist es immer wieder interessant, zu sehen, wie die Studierenden und Auszubildenden an eine Aufgabe herangehen und welchen Lösungsweg sie wählen. „Unsere Auszubildenden bringen schon ganz viel mit: Sie sind motiviert und neugierig. Ihre große Lernkurve zu begleiten, macht mir besonders viel Freude“.
Die Arbeit als Ausbildungsverantwortliche macht Stephanie auch deshalb richtig Spaß, weil sie dabei viel Gestaltungsspielraum hat. Aus diesem Grund empfiehlt sie diese Aufgabe gerne anderen Assistenzen.
Wenn du dich mit ihr zum Thema Ausbilderlehrgang austauschen möchtest, kannst du Stephanie über LinkedIn kontaktieren.
Praktische Tipps für alle, die sich für den Ausbilderschein interessieren
Stephanies Praxistipps im Überblick:
- Das Thema Ausbildung ist für Assistenzen spannend, weil es einen Rahmen bietet, in dem man vieles selbst gestalten kann. Außerdem bekommt man frisches Feedback und neue Ideen.
- Der Lehrgang bei der IHK dauert in Vollzeit sechs Wochen. Ein großer Teil sind arbeitsrechtliche Themen, z. B. Kenntnisse zum Berufsbildungsgesetz oder Jugendarbeitsschutzgesetz.
- Die berufsbezogene Pädagogik mit Lernmethoden und Ausbildungsmethoden bildet den zweiten Schwerpunkt der AEVO-Ausbildung.
- Entscheidet man sich für den Lehrgang, sollte man möglichst einen Präsenzlehrgang besuchen, da hier mehr Teilnehmende die Prüfung bestehen als beim Online-Schnellkurs. Für den theoretischen Teil der Prüfung kann man aber sehr gut mit der AEVO-App lernen.
- Wer sich für das Thema interessiert, sollte zunächst mit Ausbildungsverantwortlichen und Auszubildenden im eigenen Betrieb sprechen. Es lohnt sich, erst einmal in die Praxis hineinzuschnuppern, um zu sehen, ob es einem Spaß macht.

Dieses Interview ist das erste einer Serie. Ich möchte damit die verschiedenen Facetten der Assistenzarbeit vorstellen.
Hast du ein Assistenz-Lieblingsthema, über dass wir sprechen sollten? Dann freue ich mich über die Kontaktaufnahme per E-Mail oder über LinkedIn!
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