Du glaubst, du entscheidest selbst? Gruppendynamik lacht leise.

Klingt spannend, oder? Fand ich auch. In dieser Session von Antonia Jennewein beim Innovation Culture Camp 2026 konnten die Teilnehmenden live erleben, wie Gruppendynamik wirkt.

Für die Session haben wir uns im Hauptraum getroffen, dem alten Gerichtssaal. Ich hatte mir einen richtig guten Sitzplatz gesucht, nette Leute um mich rum, aber so richtig ins Gespräch bin ich nicht gekommen … und lange am gleichen Platz sitzen war auch nicht.

Antonia startet die Session mit der klaren Ansage („Du. Da.“), die sie wohl in der Session von Melanie Gaug gelernt hat. Sie erklärt kurz, dass es in der Session darum geht, Gruppendynamik wahrzunehmen. Gruppendynamik erklärt nicht, sie redet nicht. Gruppendynamik passiert.

Antonia bittet die Gruppe, sich mehrfach im Raum zu positionieren:

  • Von wem fühlst du dich angezogen?
  • Von wem abgestoßen?
  • Leg den Fokus auf die wichtigste Person im Raum.
  • Stell dich dort hin, wo du dich am sichersten fühlst.
  • Bist du dir noch sicher? Oder willst du die Position nochmal wechseln?

Gruppendynamik und ich

Zwischen jeder angesagten Position gibt es eine Phase des Neusortierens. Alle machen mit und bewegen sich durch den Saal.

Ich versuche, ganz bei mir zu bleiben. Stelle mich näher zu meiner Sitznachbarin von eben, dann etwas weiter weg von der Frau, die ich kaum bemerkt hätte, wenn sie nicht ziemlich deutlich von mir abgerückt wäre. Ich schaue zu Antonia, dann zu Tom, dem Organisator des Barcamps, der zufällig hinter ihr steht, dann wieder zu Antonia. Für Sicherheit etwas näher zur Wand mit freiem Blick zu allen Türen.

Dann wechsle ich doch spontan auf die andere Seite des Raums, wo ich auch schon ein paar Leute kenne.

Wir reden nicht über Gruppendynamik, wir sind Teil davon

Antonia erklärt danach, dass diese Abläufe immer passieren, wenn wir einen Raum betreten. Immer. Auch im Job. Wo sitzt du im Teammeeting? Mit wem verbringst du deine Pause? Wem schenkst du deine Aufmerksamkeit? Von wem hältst du dich fern? Wann rollst du mit den Augen?

Ihre These „Entscheidungen entstehen aus unsichtbaren Kräften und unausgesprochenen Erwartungen.“ hat Antonia mit diesem kleinen Experiment sehr gut untermauert. Selbst in einer große Gruppe, die ich nicht so gut kannte, erlebe ich Gruppendynamik, jeder im Raum spürt sie.

Bei der Abschlussrunde spricht mich Antonia direkt an. Ich hätte als einzige Teilnehmerin zum Schluss die Raumseite gewechselt. Das sei interessant. Ich selbst hatte das gar nicht gemerkt, es muss ein eindrückliches Bild gewesen sein. Natürlich kann ich nicht rational erklären, wieso.

Waren sich die anderen sich so viel sicherer mit ihrer Entscheidung für eine Raumseite oder hatten sie mehr Hemmungen, aus dem Gesamtbild zu fallen?

Das habe ich aus der Session mitgenommen

  • Gruppendynamik ist bei Teamentscheidungen ein Faktor, der immer mitgedacht werden sollte.
  • Es ist eben nicht wirklich eine individuelle Entscheidung, wer sich wie in einem Raum mit Menschen verhält.
  • Dazu kann ich selbst nichts tun, außer wahrnehmen und beobachten.
  • Immer mal im Meeting daran denken.
  • Vielleicht gibt es einen Grund, dass ich fast vergessen hätte, dass ich in der Session war (Gruppendynamik *kichert*).

Zum Innovation Culture Camp 2026 gibt es eine Übersichtsseite. Dort findest du alle meine Berichte zu den Barcamp-Sessions, die ich im Januar 2026 besucht habe.


Kommentare

4 Antworten zu „Du glaubst, du entscheidest selbst? Gruppendynamik lacht leise.“

  1. […] Nicht vergessen: Gruppendynamik ist überall […]

  2. Es passiert immer so viel unter der Oberfläche und wir tun uns einen Gefallen, wenn wir das auf dem Schirm haben. Danke für die Erinnerung und die amüsante Beschreibung!
    Liebe Grüße
    Angela

  3. Interessanter Artikel, der mich prompt ins Grübeln über meine eigene Bewegung innerhalb einer neuen Gruppe bringt. Ich kannte nur eine Person von 40 Teilnehmenden, wechselte aber in jeder Pause von einem Grüppchen zum anderen, statt mich an der mir bekannten Person festzukrallen. Und das, obwohl ich ein eher zurückhaltender Typ bin. Das überrascht mich gerade selbst.

  4. Ganz spannender Artikel und tolle Überschrift.
    Mir fällt dazu ein typisches „Erwachsenwerden“ mit dem Alter ein.
    Mit 20: „Ich habe bereits die ganze Welt verstanden. Es geht nur nach meinem Kopf.“
    Mit 50: „Mein Gott war ich mit 20 peinlich.“

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